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Obwohl die Gruppenpsychotherapie eine der jüngsten Methoden der Psychologie ist, ist das Schrifttum bereits enorm angewachsen. Corsini hatte es vor kurzem unternommen, eine Bibliographie aller Bücher, Buchkapitel und Artikel in-und ausländischer Zeitschriften von 1906 bis 1955, die sich mit Gruppenpsychotherapie befassen, zusammenstellen, und er ist auf über 1700 Titel gekommen. Diese Bibliographie hat nicht nur einen Autorensondern auch einen Sachindex. In letzterem, unter “Psychoanalytische Gruppenpsychotherapie”, hat Corsini 73 Titel angeführt, d. h. von über 1700 Büchern oder Artikeln sind nur etwas über vier Prozent “psycho-analytisch”, also eine verschwindend kleine Minderheit. Wie ist das zu erklären?
Zum Teil (aber vor Entstehung der Corsinischen Bibliographie und ohne von ihr zu wissen) haben Bach und Illing in ihrer geschichtlichen Darstellung der Gruppenpsychotherapie einige der Schwierigkeiten nachgewiesen, die eine Fusion von Gruppenpsychotherapie und psychoanalytischen Prinzipien behindern. Bach und Illing, wie auch van Emde Boas, fanden, daß die frühen deutschen Soziologen beiden, der Gruppenpsychotherapie und der Psycho-analyse, Pate gestanden haben; unter ihnen besonders Georg Simmel und Leopold von Wiese. Der erstere war der erste Forscher auf dem Gebiete des Gruppeneinflusses auf das Individuum, als er im Jahre 1890 gewisse Prinzipien über die Wechselwirkung von Gruppenleben und Persönlichkeitsent-wicklung aufstellte. Simmel lehrte, daß Individualität und die Notwendigkeit individueller geistiger Gesundheit erst nach der englischen “Industrial Revolution” und der Entwicklung des Humanismus entstanden. Sie waren Schößlinge jener Kräfte, die das Ich vom Gruppenzwang der starren Ständeordnung des Mittelalters befreien wollten. Es war das Problem des modernen Menschen, Vertrauen zu seiner eigenen Individualität zu finden, besonders da durch die gesellschaftliche Differenzierung eine Gruppenmitglied-schaft nicht mehr eo ipso bestand. Simmel drückte vor