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Das Problem der Erziehung ist heute von besonderer Aktualität, weil die Erziehungsziele sehr umstritten sind. Wozu soll oder vielmehr sollte erzogen werden? Wie kann man den von Angst geplagten, von Gefahren bedrohten Menschen von heute zur inneren Sicherheit, zum seelischen Gleichgewicht, zu einer Harmonie des eigenen Seins mit dem des Kosmos führen? Denn diese existentiellen Werte sind es, die zu allen Zeiten als Ziel der Persönlichkeits-Entwicklung galten, unabhängig von Glaubenslehren, Rassen, Völkern und historischen Gegebenheiten. Sie entsprechen in keiner Weise dem Wunschbild der Allgemeinheit, die ihre Werte auf einer anderen Skala sucht, auf der des Materiellen. Am Beginn der Erziehung sollte deren Ziel klar und eindeutig feststehen, aber gerade daran fehlt es; das Objekt der Erziehung wird oft durch entgegengesetzte Bestrebungen nach verschiedenen Richtungen gerissen.
Welche Wege die einzelnen tiefenpsychologischen Richtungen einschlagen, um die Person an das ihnen jeweils vorschwebende Erziehungsideal heranzuführen, möchte ich auf Grund der Referate einer Vortragsreihe in Zürich1 verdeutlichen; am Schluß werden sich über-einstimmende und voneinander abweichende Züge als Ergebnis erweisen.
J. Berna begann mit der Feststellung, daß es nur eine psychoanalytisch orientierte, keine psychoanalytische Erziehung gäbe. Als Grundprinzip dafür gilt Freuds These “Wo Es war, soll Ich werden”. Freud bezeichnete die Psychoanalyse als Nacherziehung, und in den ersten Jahrzehnten wurde sie ja ausschließlich auf Erwachsene angewendet. Die Kinderanalysen wurden erst vor zirka 30 Jahren aufgenommen, aber trotz Anna Freud und vieler anderer besteht noch keine Theorie der Kinderbehandlung—jeder Kinder-Psychoanalytiker umschreibt, was er macht. Berna stellt die Frage, wer heute die Werte von Moral, Ethik und Religion dem Kinde faßbar und stabil übermitteln könne. Der psychoanalytisch orientierte Erzieher versucht es, indem er die Grenzen in sich selbst erkennt und anerkennt. Erzi