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Auf einer Tagung von Psychotherapeuten fiel in einer Diskussion über depressive Zustandsbilder das Wort: “Bei diesen Kranken besteht die Gefahr der Gegenübertragung in besonderem Maße.” Diese Formulierung wurde der Anlaß zu der vorliegenden Arbeit.
Die Zuwendung zum Thema “Gegenübertragung” ist in der psychoanalytischen Literatur recht zögernd erfolgt. Man hat sie—so wie jener Diskussionsredner — offenbar zunächst nur für eine ‘Gefahr’ eine Störung, einen technischen Fehler, der durch richtiges technisches Verhalten vermieden werden müsse und könne, gehalten. Ich meine allerdings, daß noch ein anderer gewichtiger Grund dieses Zögern erklärt, die Probleme der Gegenübertragung literarisch zu behandeln. In internen Diskussionen ist sicher schon viel früher und öfter davon gesprochen worden. Wenn wir die Gegenübertragung behandeln, müssen wir fast unausweichlich direkt oder indirekt auch von uns sprechen und kommen schnell an den Punkt, wo wir das zumutbare Maß an Selbstoffenbarung überschreiten müßten. Immerhin sind uns schon zahlreiche Autoren in der Erörterung unseres Problems vorausgegangen. Die Wandlungen und Fortschritte der psychoanalytischen Technik erlaubten nicht mehr, dem Thema auszuweichen. Bei Freud selbst finden wir verblüffend wenig. In einem Brief an Ferenczi vom 6.10.1910 schreibt Freud: “Ich bin nicht der psychoanalytische übermensch, den Du Dir in Deiner Vorstellung erdacht hast, ich habe auch nicht die Gegenübertragung bewältigt.”1 Dies ist m. W. das erste Mal, daß bei Freud das Wort “Gegenübertragung” auftritt. Es scheint jene Auffassung, sie sei ein zu überwindender Mangel, fast zu bestätigen. Die zweite Stelle, an der der Begriff “Gegenübertragung” auftaucht, ist ein Vortrag auf dem zweiten Kongreß der Psychoanalytiker in Nürnberg 1910. Freud sprach über “Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie”. Dort heißt es: “Andere Neuerungen der Technik betreffen die Person des Arztes selbst. Wir sind auf die Gegenübertragung aufmerksam geworde