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Mary Lynn, eine zweiundvierzigjährige Patientin, bricht aus Versehen in die Therapiestunde einer anderen Patientin ein. Sie hatte sich in der Zeit geirrt. Nun steht sie in der Mitte des Eingangs zu meinem Behandlungs-zimmer und errötet. Sie ist verlegen und verwirrt. Aber nur einen Augenblick. Eine Art schelmische Freude mischt sich in ihre Verlegenheit, etwas wie Angstlust. Stotternd bringt sie eine Entschuldigung vor und verschwindet. In der nächsten Stunde wird der Vorfall nur kurz erwähnt. Sie wiederholt ihre Entschuldigung, ist aber nicht mehr verlegen. Im Gegenteil, sie erscheint jetzt belustigt über dieses unerwartete Zwischenspiel, das uns beide lachen macht. Wir wenden uns anderen Dingen zu.
Damit war der Vorfall jedoch nicht abgeschlossen. In der folgenden Stunde wurde er wieder zur Sprache gebracht — allerdings in einem unerwarteten Zusammenhang. In der Zwischenzeit hatte Mary nämlich den Vorfall einer anderen Patientin von mir, Clara Bird, erzählt. Clara ist ein einundzwanzig-jähriges Mädchen. Claras Reaktion auf den Vorfall war von derjenigen Marys sehr verschieden. Wie mir von Mary berichtet wurde, kommentierte Clara den Vorfall mit Schrecken und Erstaunen: “Wie kannst Du das nur so leichtnehmen, Mary? Für mich wäre es einfach furchtbar, wenn mir so etwas passierte. Es wäre mit unmöglich, Dr. St. während der nächsten drei Tage zu sehen.”
Je mehr ich über diese verschiedenartigen Reaktionen nachdachte, um so deutlicher schienen mir in diesen beiden Einstellungen einem scheinbar unbedeutenden Vorfall gegenüber zwei Welten menschlichen Bezogenseins sichtbar zu werden. Ich will, um diesen Unterschied zu erhellen, zunächst auf Mary eingehen.
Es gelang Mary, eine unvorhergesehene und darum angsteinflößende Situation sehr schnell in eine Gelegenheit zu einem recht warmen und erheiternden Austausch mit ihrem Therapeuten zu verwandeln. Das gelang ihr, weil sie auf mich den Eindruck eines Kindes machte, das bei einer kleinen Missetat ertappt wurde — beispielsweise