You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Für die Untersuchung eines psychischen Tatbestandes werden heutzutage vorwiegend drei Methoden benützt:
Man versucht, eine psychische Gegebenheit, eine Empfindung, eine Stimmung, möglichst genau innerlich zu erfassen, abzugrenzen, sich selbst lebendig zu machen. Man engt sie begrifflich ein und bekommt sie dadurch in den Griff. Das ist das Verfahren der “deskriptiven Phänomenologie” (Jaspers).
Man untersucht das Gesamt der psychischen Phänomene eines Subjekts im Hinblick auf die sie ermöglichenden vorgängigen Befindlichkeiten, d. h., man versucht, ihre spezifischen So-Seins-Qualitäten vom jeweiligen Daseinsentwurf her transparent zu machen. Das ist die Methode der Daseinsanalyse.
Man prüft das psychisch Vorgefundene auf seine Herkunft und Bestandteile, auf seinen Entstehungsprozeß in der Zeit und aus seinen Teilen, treibt also kausalgenetische Reduktion und Elementaranalyse. Das ist die Methode der Tiefenpsychologie.
Im Speziellen bedeutet diese letztere Methode die psychoanalytische Auflösung des Phänomens oder, wie wir in der ärztlichen Praxis zu sagen gewohnt sind, des Symptoms, im Hinblick auf die sich in ihm manifestierenden Triebe und Triebabkömmlinge1 und Aufhellung der zwischen Symptom und biopsychologischer Entwicklungsphase bestehenden Zuordnungen. Auf diese Weise werden Aussagen über die phasenspezifische Erscheinungs- und Erlebnisform und ihren phasenspezifischen Inhalt ermittelt. Es ist deshalb im Rahmen unserer Wissenschaft legitim, die bei der Untersuchung der beobachteten Tatbestände angewandten Begriffe nicht von vornherein minutiös zu definieren, sondern zunächst deren Bedeutung und Umgrenzung im Sinne des allgemeinen Sprachgebrauchs zu verstehen. Ich werde deshalb auch auf eine strenge Abgrenzung des Begriffes “Angst” verzichten, ihn vielmehr für alle diejenigen Seelenzustände einsetzen, die mit