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Nach 27 Jahren ist dieses, für den Studierenden der Psychoanalyse unerläßliche Lehrbuch in zweiter Auflage erschienen. Die seinerzeit nach Freuds Worten “vollständigste und gewissen-hafteste Darstellung einer psychoana-lytischen Theorie der neurotischen Vorgange” wurde um zwei Kapitel, nämlich das 2.—“Der Traum”—und das 10.—“Charakter und Neurose”—vermehrt. Die Abschnitte “Der Ekel” und “Die Scham” der ersten Auflage wurden weggelassen und nun im Zusammenhang mit den “Reaktionsbildungen des Ich” abgehandelt. Neue Abschnitte “Bisexualität und Neurose” und “Das Erinnern” wurden im 9. Kapitel bzw. 12. Kapitel eingefügt, und neben der Abänderung der früheren Überschrift “Abwehr als Schutz gegen den Durch-bruch des Reizschutzes” in “Der Reizschutz und das Unlust-Lust-Prinzip” (Seite 243) findet man viele Verbesserungen des Textes.
Obwohl die Hauptgründe, die dafür verantwortlich zu machen sind, daß Nunbergs Buch erst jetzt wiederaufgelegt wird, bekannt sind, kann man diese Neuauflage nicht begrüßen, ohne ausdrücklick an diese Verzögerung zu erinnern. Da die erste Auflage mindestens den Jüngeren nicht mehr zur Verfügung stand und die andere, nun schon klassische Darstellung der psychoana-lytischen Theorie der Neurosen, die von Otto Fenichel, schon in der Emigration und nur auf Englisch erschien, fehlten bisher in Deut chland neuere, von Psychoanalytikern geschriebene Lehrbücher. Nunbergs “Neurosenlehre” schafft endlich Abhilfe.
Da es nicht möglich ist, die psychoana-lytische Neurosenlehre kurz zu referieren, sei wenigstens in einem Wort die Bedeutung der Theorie in der Psycho-analyse erwähnt. Freud sagte, die psychoanalytische Theorie sei ein Versuch, die Erfahrungen der Übertragung und des Widerstandes verständlich zu machen (Ges. W. Bd. X, Seite 54); er betonte, daß der theoretische Überbau unvollständig und in dauernder Umwandlung begriffen sei (Ges. W. Bd. XIV Seite 303). Die von Nunberg gegebenen kasuistischen Beispiele bleiben in diesem Sinne erfahrungsnah an den Tats