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Der Untertitel dieser zu einem kleinen Buche gesammelten drei Vorlesungen, “Kritik des dynamischen Psychologismus”, kommt dem wirklichen Inhalte schon etwas näher. Noch besser wäre vielleicht “Polemische Betrachtung der Tiefenpsychologie”.
Eine wirklich eingehende Kritik ist kaum anzusetzen; man liest und hofft, schließlich an Stelle all des “Unnützen” etwas konstruktiv Neues zu bekommen—und wird enttäuscht.
Wir möchten deshalb nur wenige Abschnitte in Frage stellen. So scheint es z. B., daß das Prinzip der Homöostase besonders in dicsem Zusammenhängen mißverstanden wurde: obschon es wie eine contradictio in adjecto erscheint, sieht es doch so aus, als ob der Autor auch dies noch statisch zu betrachten versuche. Dabei sei ja gerade nicht die Erreichung eines Gleichgewichtes ausschlaggebend (ganz abgesehen davon, daß es nie erreicht werden kann), sondern die Auseinandersetzung mit diesem Streben auf ein nötiges Ziel hin.
Später wird der Einwurf gemacht, daß die Gesunden mindestens so viele Traumen, Komplexe und Konflikte haben könnten (sogar statistisch nachkontroliert!) wie die Kranken; dies ist keinesfalls ein Beweis gegen deren Pathogenität—denn es wird vom Autor übersehen, daß es außer den Komplexen usw. gerade dieses speziellen Menschen bedarf, mit seiner ganz individuellen Anlage, Entwicklung und Umwelt.
Auch im Abschnitt über die Träume könnte man meinen, daß der Autor die analytische Betrachtungsweise einfach nicht verstanden haben will. Es bezweifelt wohl niemand die Möglichkeit einer Induktion. Sie würde aber kaum mehr bedeuten als die Verwendung eigener “Tagesreste”. Fast scheint es, als übersähe der Autor gewollt die Unterscheidung von latentem und manifestem Trauminhalt. Die sogenannte Induzierbarkeit bildet dann auch die Grund-lage, um die Psychoanalyse auf eine Suggestionstherapie einzuengen.
Auch könnte man sich beim Lesen dieser Vorträge immer wieder fragen, warum wohl der Autor eine solche Angst hat, die Funktionen einer unbe-wußten Sphäre anzuerkennen?—