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Seit etwa 20 Jahren spielt die Zeitschrift Psychiatry in der amerikanischen Psychiatrie eine besondere Rolle. Ihr wesentlicher Initiator war Harry Stack Sullivan, der Begründer der “Washington School of Psychiatry”. (Er ist unter anderem auch für die gelbe Farbe der Zeitschrift verantwortlich.) In den Augen des Rezensenten ist Sullivan der umspannendste und originellste Psychiater, den Amerika bisher hervorgebracht hat.
Sullivan hat die Psychiatrie in den USA weitgehend aus ihrer Bindung an die klinische Neurologie herausgelöst — er sprach von der Mesalliance zwischen Psychiatrie und Neurologie — und sie zu einem Studienfeld der zwischenmenschlichen Beziehungen gemacht, worin die Sozialwissenschaften besondere Bedeutung hatten. Es fand ein erregender Integrations- und Verzahnungsprozeß start, worin soziologische und anthropologische Denkrichtungen sowie die in der Psychoanalyse gewonnenen Einsichten das klinische psychiatrische Denken in den USA, verglichen mit der akademischen Psychiatrie Europas, in hohem Maße umgestalteten. Insbesondere wurde die Psychotherapie der Psychosen befruchtet. Frieda Fromm-Reichmann, Lewis B. Hill, Dexter M. Bullard und viele andere Kliniker haben die dynamisch und soziologisch orientierten Vorstellungen dieser Forschungsrichtung für eine verfeinerte und wirksame Psychotherapie der Psychosen ausgewertet.