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Der Verf., ein Physiologe, versucht in diesem Buch eine Theorie des Organismus, eine “biologische Organisations-lehre” zu entwickeln, “in welcher die allgemeinen Prinzipien dieser Organisation, die strukturelle Gliederung, die Aufgabenverteilung, aber auch die Zusammenfassung, Regelung und Steuerung innerhalb des organisierten Ganzen
behandelt werden” (Seite 86). Ausgehend von dieser Basis wird in der zweiten Hälfte des Buches eine Theorie der Psyche (vor allem der Beziehung von Körper und Seele) und der allgemeinen Pathologie (einschließlich der Psychopathologie und Neurosenlehre) entworfen.
Rothschuh nimmt somit einige höchst aktuelle aber auch schwierige Probleme in Angriff. Sein Bezugssystem ist das des Naturwissenschaftlers. Allerdings entspricht-seine Betrachtungsweise mehr dem klassischen als dem neuen natur-wissenschaftlichen Denken, mehr dem Dampfmaschinenzeitalter als dem der Automation und der modernen Nachrichtentechnik.
Das hat gewisse Nachteile auf einem Gebiet, auf dem vieles ganz neu und noch im Fluß ist. Wer konkrete Aussagen erwartet über die wichtigsten Struktur- und Organisationsprinzipien, soweit sie bereits erforscht sind, oder über die neueren Theorien und Modelle, die Physiologen, Ethologen, Psychologen oder Kybernetiker zur Klärung der Lebensvorgänge entwickelt haben, wird von diesem Buch enttäuscht sein. Das wichtige Prinzip der hierarchischen Ordnung von Paul Weiss einerseits und N. Tinbergen andererseits bleibt z. B. unerwähnt. Ebensowenig wird auf die Funktionsweise der Regulations- und Kontrollmechanismen im Organismus eingegangen. Denn das zu behandeln, meint der Autor, sei nicht Sache einer Organisationslehre, sondern der Experimentalphysiologie (Seite 107). Leser mit einigen Vorkenntnissen auf diesem Gebiet werden jedoch eine “biologische Organisationslehre”, die Probleme der Steuerung und Selbstregulation, der Anpassung, der Beziehung zwischen Autonomie und Koordination, des Informationsaustauschs usw. zwar erwähnt, aber nicht behan