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Diese Arbeit zeichnet sich dadurch aus, daß Gries in den Mittelpunkt seiner Untersuchungen Selbstbeobachtungen stellt, die er als Dystrophiker in sowjetischer Kriegsgefangenschaft machte.
Er erweitert seine eigenen Erfahrungen durch die Exploration von 51 Heimkehrern mit Hilfe eines ausführlichen Fragebogens. Schließlich vergleicht er seine Untersuchungen mit der deutschen
Literatur, die zu diesem Thema seit 1945 erschienen ist.
Es ist dem Verf. gelungen, ein eindrucksvolles Bild von den typischen psycho-physischen Veränderungen der Dystrophiker, ihren charakteristischen Verhaltensweisen und Gewohnheiten zu geben. Leider fehlt in dem Teil seiner Arbeit, in dem er seine Erlebnisse mit anderen Veröffentlichungen über die Dystrophie vergleicht, die Literatur über ähnliche Krankheitsbilder in deutscher Gefangenschaft und in den Konzentrationslagern. Außerdem scheint es dem Verf. entgangen zu sein, daß so wjetische Forscher selbst umfassende, allerdings vorwiegend organ-pathologisch orientierte Arbeiten über die Dystrophie veröffentlichten.
Gries mißt dem “Hunger” mit Recht die entscheidende Bedeutung für das Entstehen des Krankheitsbildes der Dystrophie bei. Aber “Hunger” ist für ihn nur der “Nahrungsfaktor”, der bestimmte physiologische und anatomische Veränderungen bewirkt. Er vernachlässigt in seiner Darstellung die psychischen Aspekte des Phänomens “Hunger”, die man vielleicht unter dem Begriff “orale Frustration” beschreiben könnte. Die psychischen Folgeerschei-nungen von Frustrationserlebnissen im Bereich der Oralität zeigen eine auffällige Gleichförmigkeit in ihren psycho-physischen Erscheinungen, aus welchem Anlaß sie auch entstanden sein mögen. So findet man z. B. in den Krankheits-bildern der anaklitischen Depression, wie sie von R. Spitz beschrieben wurde, und bei Kranken, die an Anorexia nervosa leiden, sehr ähnliche Phänomene, wie man sie bei Dystrophikern beob-achten kann.
Die unbefriedigende Abklärung der psychosomatischen Zusammenhänge bei der Dystrophie,