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Denen, die in Amerika die Entwicklung des psychiatrischen Denkens aufmerksam verfolgen, wurde Ernest G. Schachtel vor mehreren Jahren durch einige Aufsätze in der Zeitschrift Psychiatry bekannt. In diesen Arbeiten, die sich mit der Entwicklung des Gedächtnisses,
der Aufmerksamkeit und anderen Aspekten der menschlichen Realitätsorientierung befaßten, schien zweierlei in einer besonders glücklichen Kombination vereint: eine sorgfältig beobachtende Aufgeschlossenheit für den Reichtum und die Komplexität der menschlichen Gefühlswelt und ein durchaus originelles, integratives Denken.
Ich habe seither stets auf ein größeres Werk Schachtels gewartet, das diese Ansätze fortführte. Dieses Werk ist inzwischen unter dem obigen Titel erschienen. Es hat meine Erwartungen noch übertroffen. Wie Schachtels frühere Arbeiten, die zum Teil in dem vorliegenden Band wiedergegeben sind, verrät dieses Buch eine erstaunliche denkerische Leistung.
Schachtel sieht die menschlichen Gefühle und Sinneserfahrungen als Ausdruck und Resultat grundlegender menschlicher Einstellungen zur Welt und zu anderen Menschen an. In diesem Sinne steht er den vorwiegend phänomenologisch orientierten deutschen Denkern wie Scheler, Husserl, Binswanger und Erwin Strauß nahe, mit deren Werk er vertraut ist. Daneben ist aber Schachtel, selbst ein praktizierender Psychoanalytiker, in dem dynamisthen und genetischen Bezugssystem der Psychoanalyse beheimatet, wobei er sich für die Ergebnisse anderer wissenschaftlicher Richtungen wie Verhaltensforschung (Lorenz, Tinbergen usw.), Kinderpsychologie (Ch. Bühler, Piaget usw.) und vergleichende Anthropologie aufgeschlossen hält. Damit leistet Schachtel, scheint mir, der Wissenschaft vom Menschen und speziell der Psychiatrie einen besonderen Dienst. In einer Zeit, in der auf dem europäischen Kontinent die vorwiegend geisteswissenschaftlich determinierte Daseins-bzw. Existenzanalyse und in der angelsächsischen Welt die mehr naturwissenschaftlich orientierten psychoanalytische