You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die vorliegende Arbeit erhebt den Anspruch, nicht nur eine medizinhistorische Darstellung zu sein, sondern die Entwicklung der Sexualwissenschaft in ihren geisteswissenschaftlichen Zusammenhängen aufzuzeigen. Die Studie umfaßt einen begrenzten Zeitraum vom Beginn des 19. Jahrhunderts, in dem der Begriff der Psychopathia sexualis geschaffen wurde, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts mit der Begriffsprägung Sexualwissenschaft durch I. Bloch. Es soll, wie Prof. Leibbrand in seinem Vorwort formuliert, an diesem zeitlich und thematisch umgrenzten Beispiel eine geschichtliche Entwicklung exemplifiziert werden. Es handelt sich dabei um den Einbruch neuerer Vorstellungsbereiche in die engere naturwissenschaftlich orientierte Medizin. Dieser Hintergrund ist eine anthropologische Sicht, in der das als krankhaft imponierende Leibesgeschehen in einem weiteren Zusammenhang vergleichender menschlicher Verhaltensformen aus seiner Menschheitsgeschichte und seiner Kulturentwicklung interpretiert wird. Der Begriff des “Krankhaften” ist nicht mehr allein kausal gerichtet bestimmbar, sondern wird vielschichtig und relativ. Ein Thema, das mitten in die aktuellen Bemühungen führt, einen neuen medizinischen Standort zu erreichen. Vielleicht ist gerade die Auseinandersetzung mit der als “krankhaft” erlebten Sexualität aus der Perspektive der jeweiligen wissenschaftlichen, geistigen und kulturellen Entwicklung für diese Darstellung besonders geeignet.
Viele Vorstellungen, die heute noch aktuell sind, werden in ihrem geschichtlichen Zusammenhang vom Leser sozusagen neu entdeckt, z. B. der Zusammenhang