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Vom Autor eines Buches über den Sex-appeal zu erwarten, er werde dieses irritierende Zeitphänomen ohne Effekthascherei sachlich-nüchtern schildern und analysieren, ist wohl etwas zu viel verlangt. Wolffram jedenfalls hat der Verführung seines Themas nicht widerstanden und darüber in einem journalistisch-reißerischen “Stil” geschrieben, der sich kaum von dem der “routinierten Illustrierten-Literaten” — mit denen er offenbar nicht verwechselt werden will — unterscheidet und nahe an die Proben herankommt, die er selber als abschreckende Beispiele für dem Geschmack der Masse angepaßte “Literatur” zitiert. Trotzdem muß sogleich zugestanden werden, daß die schnodderige Schreibweise sich in zwei Richtungen positiv auswirkt: einmal bewahrt sie den Leser davor, durch diese schauerliche Parade von Eitelkeit, Geltungssucht (Publicity), Geschäftstüchtigkeit, Schwindel, Sensationsgier, Dummheit, Scham- und Niveaulosigkeit, die sich als Sex-appeal darbietet, allzu sehr erschüttert zu werden. Und zum andern mildert sie die ätzende Schärfe der Kritik, die der Verf. mit vollem Recht an der Presse, den Film-, Schlager- und Schönheitsköniginnen-produktionen übt, bei denen das künstlerische Können überhaupt keine Rolle spielt und die ausschließlich der geschäftlichen Ausnützung der Propaganda des neuen erotischen Lebensgefühles dienen. Die heutigen Repräsentantinnen des Sex-appeals sieht Wolffram in den um die Jahrhundertwende maßgebenden Typen des “unschuldigen”, der brutalen Männlichkeit gegenüber “opferbereiten” Gänschens und der femme fatale vorbereitet. Mit der “scheinbaren Vereinigung … des bis dato Unvereinbaren” jener zwei Typen, “mit dem schillernden, rätselhaft wirkenden Wechsel von Unschuld und Verdorbenheit bei ein und derselben Person, beginnt die neue erotische Grundhaltung, der Sex-appeal”. Dabei spiele die “weibliche ‘Wie Du mich wünschst’-Begabung eine ausschlaggebende Rolle”, die “je nach dem Grad ihre- Aufnahmebereitschaft für männ-liche Träme echte oder künstliche …