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Die tiefenpsychlogischen Schulen, unter ihnen besonders die Psychoanalyse Freuds, haben mit dem Hinweis auf die Genese kultureller Phänomene und sittlicher Normen den Vorwurf der Relativierung auf sich gezogen. Geistiges als “Notlösung” auf Grund eines biologischen Kräftespiels scheint seines Eigenwertes beraubt zu sein.
Auch die vorliegende Schrift versucht besonders die Stellung der Sittlichkeit als “eigenständige Macht” und die Bedeutung “anthropologischer Grundtat-sachen wie Schuld, Reue, Vergebung, Freiheit und Verantwortlichkeit” im Rahmen des psychotherapeutischen” Prozesses zu klären.
Wenn auch das Werk Freuds auf jeder Seite von starkem sittlichem Pathos durchwaltet sei, dem Pathos der Wahrhaftigkeit, vermisse der Leser die Auseinandersetzung mit ethischem Gedan-kengut. Obwohl man sicher “eine irgendwie geartete Ethik zur Grundlage (des) ärztlichen Handelns machen mußte … schämt man sich aber offenbar der Sittlichkeit”. Letzteres träfe auch für Jung und Alexander zu. Dabei sei Freud durch die Entdeckung der Zensur auf “Einflüsse, Mächte” gestoßen, “… die lebenswichtige Triebe des Individuums zu unterdrücken vermögen … Mächte, die mindestens gleich stark wie die Art und Gattung erhaltenden sein müssen und die eindeutig als sittlich zu qualifizieren sind…”
Es wird dann versucht, das Phänomen der Sittlichkeit und seines Verhältnisses zur Psychologie an Hand eines eindrucksvoll