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Redaktionelle Vorbemerkung:
In Fortsetzung unserer Reihe der Wiederveröffentlichung älterer psychoanalytischer Arbeiten bringen wir den nachfolgenden Beitrag Felix Boehms. Wir gedenken dabei des am 20. September 1958 verstorbenen Autors, der mit seiner Lebensarbeit geholfen hat, die Psychoanalyse in entscheidenden Jahren ihrer Entwicklung zu fördern.
Schon in der 1915 erschienen dritten Auflage der „Drei Abhandlungen“ sagt Freud in einer Anmerkung1: „Diese (d. h. die Beobachtung) ergibt für den Menschen, daß weder im psychologischen2 noch im biologischen Sinne eine reine Männlichkeit oder Weiblichkeit gefunden wird. Jede Einzelperson weist vielmehr eine Vermengung ihres biologischen Geschlechtscharakters mit biologischen Zügen des anderen Geschlechts und eine Vereinigung von Aktivität und Passivität auf, sowohl insofern diese psychischen2 Charakterzüge von den biologischen abhängen, als auch insoweit sie unabhängig von ihnen sind.“
In seiner Arbeit: „Das Ich und das Es“3 sagt er: „Man gewinnt nämlich den Eindruck, daß der einfache Ödipuskomplex überhaupt nicht das häufigste ist, sondern einer Vereinfachung oder Schematisierung entspricht, die allerdings oft genug praktisch gerechtfertigt bleibt. Eingehendere Untersuchung deckt zumeist den vollstündigeren ädipuskomplex auf, der ein zweifacher ist, ein positiver und negativer, abhängig von der ursprünglichen Bisexualität des Kindes, d. h. der Knabe hat nicht nur eine ambivalente Einstellung zum Vater und eine zärtliche Objektwahl für die Mutter, sondern er benimmt sich auch gleichzeitig wie ein Mädchen, er zeigt die zärtlich feminine Einstellung zum Vater und die ihr entsprechende eifersüchtigfeindselige gegen die Mutter. Dieses Eingreifen der Bisexualität macht es so schwer, die Verhältnisse der primitiven Objektwahlen und Identifizierungen zu durchschauen, und noch schwieriger, sie faßlich zu beschreiben. Es könnte auch sein, daß die im Elternverhältnis konstatierte Ambivalenz durchaus a