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Das gefühlsstarke Erlebnis des Schon-einmal, der Bekanntheit, wäre beim déjà vu an sich nicht weiter beachtlich, wenn mit ihm nicht das Bewußtsein einherginge, das erlebte Schon-einmal wurzele gar nicht in der Wirklichkeit des tatsächlichen Bekannt seins. Die erlebte Bekanntheit ist „ungedeckt“. Diese Bestimmung, die sich im Worte selbst nicht ausdrückt, wie einige notwendige andere Merkmale vermitteln jene Befremdlichkeit der Erscheinung, von denen die Betroffenen immer wieder sprechen1, trennen das déjà vu aber auch von ähnlichen — psychopathologischen — Erlebnisweisen, mit denen es mitunter verwechselt wird.
Schon die flüchtige Sichtung der im engeren Sinne psychologischen und medizinisch-psychopathologischen Literatur führt vor Augen, daß die verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungsversuche fast so zahlreich sind wie die Autoren, die sich mit dem Phänomen befaßten2. Wenn wir auch erst später über die wichtigsten Interpretationsmodelle sprechen wollen, sei hier doch schon darauf hingewiesen, daß der Vielzahl der Erklärungen eine Vielzahl von Beschreibungen der déjà vu-Erscheinung entspricht. Die unterschiedlichen Perspektiven treffen sich gleichsam nicht im Brennpunkt des einen Phänomens, sondern nähern sich zumeist einer Mehrheit ungeschiedener, sehr ähnlicher Gegebenheiten. So bleibt zunächst die Aufgabe zu zeigen, was unter der Bezeichnung „déjà vu“ verstanden werden soll.
Allen Beschreibungen des déjà vu-Erlebnisses ist gemeinsam, daß es als ein eigenartiges Bekanntheitserlebnis3 geschildert wird. Was muß unter der erlebten Bekanntheit verstanden werden? Sie stellt sich — fragt man nach dem „Wie“ des Erlebens, seiner Gegebenheitsweise — dar als eine „Komplexqualität“, ein „Anmutungserlebnis“, im Sinne Felix Kruegers4 als die spezifische „Färbung“, „Tönung“ eines im Regelfall klar und gestalthaft erlebten Gegenstandes, aber auch eines in herabgesetzter intentionaler Zuwendung gegebenen Erlebnisinhaltes. Diese gefühlsartige Tönung heißt