You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Säuglinge zeigen in den ersten Lebenswochen, sobald die mütterliche Brust ihr Gesicht berührt, ein suchendes, dem Kopfschütteln Erwachsener ähnliches Hin- und Herbewegen des Kopfes, das andauert, bis ihr Mund die Brustwarze gefunden hat. Diese Suchbewegung verschwindet nach dem dritten Lebensmonat und macht einer neuen, phänotypisch aber sehr ähnlichen Verhaltensweise Platz: der aktiven Vermeidung und Ablehnung der Brust durch das satte Kind. Wahrnehmung und Motorik haben sich inzwischen so weit entwickelt, daß die Brustwarze mit einer einzigen Bewegung erfaßt werden kann. Die “arbeitslos” gewordene Suchbewegung des Neugeborenen macht einen Funktionswandel durch, wird in den Dienst der entgegengesetzten Strebung gestellt und dient nun dem satten Säugling zur Vermeidung („Verneinung“) der Brust. Etwa ein Jahr später (um den 15. Lebensmonat) wird ein diesem Bewegungstyp nachgebildetes Verhalten - in Identifikation mit dem “Nein“-Kopfschütteln des Erwachsenen - mit seelischem Inhalt versehen und als semantisches Kommunikationsmittel benutzt. Auch das bald nach der „Nein“-Geste auftretende bejahende Kopfnicken hat nach Spitz einen motorischen Vorläufer in bestimmten, um den dritten bis sechsten Lebensmonat sich zeigenden Nickbewegungen in Richtung auf die Mutterbrust.
Merkwürdigerweise schütteln aber eine Anzahl an Hospitalismus erkrankter und in ihrer Entwicklung zurückgebliebener Kinder zum Zeichen der Ablehnung gegenüber Fremden schon mit 9 bis 18 Monaten den Kopf. Dieses zwar bereits willkürliche Kopfschütteln dart jedoch nicht mit der semantischen “Nein“-Geste des älteren, gesunden Kindes verwechselt werden. Spitz deutet es als Regression auf das ursprüngliche Suchverhalten.
Zur Bestätigung seiner Auffassung vom anaklitischen oralen Ursprung der semantischen Kommunikation führt Spitz den eindrücklichen Fall eines Mädchens (Monika W.) vor, das mit einer Atresie des Oesophagus geboren wurde und durch eine gastrische Fistel ernährt werden mußte. Im 24. Lebensmonat erhie