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Der Autor unternimmt in dem vorliegenden Buch den Versuch, die Persönlichkeit Freuds und die „orthodoxe” Psychoanalyse einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Er bedient sich hierbei psychoanalytischer Mittel, d. h. er analysiert die Persönlichkeit Freuds und dessen unbewußte Tendenzen und Konflikte an Hand von biographischem Material und unter Berücksichtigung des sozialen und kulturellen Hintergrundes. Der Verf. gelangt auf diese Weise zu einer sicherlich in vielen Punkten zutreffenden Charakterisierung Freuds. Im einzelnen ist bemerkenswert, daß der Autor bei dieser Analyse immer wieder feststellt, daß Freud in seinen Beziehungen zu Mutter, Vater und Ehefrau sowie zu seinen Freunden durch eine starke Mutterbindung, d. h. durch weitgehend unbewußte Abhängigkeitswünsche und auf bewußter Ebene durch deren Gegenteil, nämlich ein Streben nach Unabhängigkeit, bestimmt wurde. Infolge dieses Grundkonfliktes habe sich Freud zu anderen Menschen, so z. B. zu seinen Freunden, meist in Abhängigkeit begeben, um von ihnen bestätigt, ermutigt, getröstet und bewundert zu werden, und habe sich deswegen gleichzeitig geschämt und seine Abhängigkeit gehaßt. Aus diesem Konflikt habe er sich jeweils derart befreit, daß er solche Beziehungen abbrach, nachdem er Hilfe und Zuneigung erfahren hatte, und die betreffenden Personen zu hassen begann. In dieser oder ähnlicher Weise sei Freud bei seinen Freundschaften mit Breuer, Fliess, Jung, Adler, Reik und Ferenczi verfahren. Als Beispiel und in ausführlicher Weise analysiert Fromm das Verhalten Freuds gegenüber Fliess und bemerkt u. a., daß Freud durch seinen Vorschlag an Fliess, mit ihm an einer Abhandlung über „Die menschliche Bisexualität” zu arbeiten, versucht habe, jenen in die Rolle der nährenden Mutter zu zwingen und zur gleichen Zeit den völligen Bruch mit ihm vorbereitet habe, wenn Fliess seinen Vorschlag nicht akzeptieren sollte. Dieser analytische Deutungsversuch des Autors kann deshalb nicht ganz überzeugen, weil eine ganze