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Dieses Buch ist keine kasuistische oder systematische Diskussion des Schuldproblems in der Tiefenpsychologie, sondern ein höchst origineller Versuch, die christliche Anthropologie und Theologie der Schuld in den alltäglichen menschlichen Nöten zur Sprache und zur Antwort zu bringen. Es ging aus den „morgendlichen Schriftauslegungen” hervor, die der Verf. anläßlich der „Semaines Medicales” 1957 in Bossey (Médecine de la personne) zur Rolle des Schuldgefühls in der Medizin gab. So ist es auch von Anfang bis zum Ende wie ein Gespräch aufgebaut, spricht den Leser zumeist in direkter Rede an und trägt neben persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen auch Unterhaltungen mit Freunden und mit der eigenen Frau vor. Im wesentlichen besteht es in der Zwiesprache menschlicher Nöte, Fragen und Gedanken mit Worten des Alten und Neuen Testaments. So wächst es teilweise zu einer lebensnahen und dogmatischen, aber nicht immer unproblematischen Bibelexegese an.
Den Ausgangspunkt seines Fragens findet Tournier in der mannigfaltigen und schier unübersehbaren Schuldverstrickung des täglichen Lebens. „Man” fühlt sich schuldig, weil man weniger oder mehr Geld verdient, weil man anders denkt oder anders ist als die anderen. Aber neben dieser Verstrickung in anerzogene Regeln und konformistische Idole erzeugt auch der unwiderstehliche Mechanismus des gegenseitigen Sich-Beschuldigens beständig neue Schuldgefühle. Die neurotische Schuldangst ist häufig eine Angst vor dem Urteil der anderen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zwischen „echtem” und falschem Schuldgefühl zu unterscheiden.
Den vordergründigen Versuchen, einfache Kriterien der Erkennung falscher Schuldgefühle zu finden - wie es beispielsweise Ch. Odier tut - folgt Verf. nicht. Er ist bestrebt, die Psychologie des „guten Willens” zu durchstoßen und auf eine tiefere Selbstschau und Selbstbesinnung hin vorzudringen. So ergibt sich konsequent die Feststellung, daß objektive menschliche Schuld von keinem menschlichen Richter bemessen wer