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Von der emotionellen Verflachung und der materiellen Übersättigung der Jugendlichen, die durch die sozialen und technischen Entwicklungen der Moderne bedingt sind, und von der Fragestellung der Pubertät ausgehend, wird das Problem des Jugendgangs betrachtet. Dieser Begriff scheint uns insofern nicht glücklich
gewählt, als „gang“ dem Wortsinn nach die Mechanik und Brutalität des Mühlengangs enthält (siehe von Hentig) und das doch sehr eindeutige Wort „Gangster“ mitklingen läßt, während die von Wilfert beschriebenen Gangs eigentlich nur mehr jugendliche Straßengruppen mit starkem Zusammengehörigkeitsgefühl sind, die nicht in jedem Fall kriminell zu sein brauchen. Sie entstehen aus einem Mangel, aus dem Untergang der patriarchalischen Familie und ihrer Verwandlung in eine „Team-Gemeinschaft“, aus dem Unschöpferischen und daher Unbefriedigenden von moderner Arbeit und Freizeit, und aus einem Aktivum: aus der Tendenz zum Kollektiv, aus Protest, Abenteurertum, Angabe etc. Neben der starken Gruppenstruktur dieser Gangs, die meist ein bis zwei Führungspersönlichkeiten haben, wird die doppelte Moral (d. h. innerhalb der Gruppe und gegenüber der Umwelt) beschrieben und die Gangautorität, die an die Stelle der häufig als zu unstabil und zu kompromißreich empfundenen Erwachsenenautorität tritt. Wichtig ist die hinsichtlich ihrer kriminellen Erwerbsziele nicht eigentlich ökonomische Haltung der jugendlichen Komplicengemeinschaften und ihre meist „unechte, aber um so gefährlichere Kriminalität“. Die ambulante Behandlung von Gangs (d. h. ohne festes Klublokal) oder im Rahmen von Jugendklubs gilt als erfolgreich, doch soll sie u. U. mit Einzelbehandlung kombiniert werden und möglichst schon als Prophylaxe oder als Frühbehandlung einsetzen. In der Beschreibung eines (gewissermaßen therapeutischen) Wiener Jugendklubs wird anschaulich, wie an die Stelle des Gangs und der Gangtendenz Gemeinschaftsformen mit sozial wertvollen Zielsetzungen treten können, welche einzelne gefährdete Jug