You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Von Ruffin erhalten wir eine phänomenologische Untersuchung, Häfner gibt eine daseinsanalytische Betrachtung, während Janzarik, ausgehend von diesen Darstellungen, über ein größeres klinisches Patientengut berichtet. Diese Aufsätze geben eine gute Zusammenfassung über den derzeitigen Stand der psychiatrischen Untersuchungen der Hypochondrie. Bei Häfner findet man auch eine eingehende Würdigung der historischen Entwicklung des Wissens über die Hypochondrie.
Ruffin führt aus, daß ein gesunder Leib uns erscheint, indem wir mit ihm umgehen können, in Aktion treten können. Ein solchermaßen mit sich umgehender, agierender Mensch kann seine Mißempfindungen abreagieren oder durch affektive Zuwendung übertönen (wie ein Kind, welches den Schmerz nicht spürt). Der Hypochonder aber „agiert“ nicht, sondern ist „agitiert“, wendet sich sich selbst zu und empfindet seinen Leib als Partner. Solcherart wird auf andere Weise die narzißtische Dynamik des Hypochonders beschrieben, wobei jener Spaltung, daß der Leib als Partner empfunden wird, besondere Aufmerksamkeit gewidmet ist („Leib haben“, statt „Leib sein“).
Interessant ist ein weiterer Aspekt, den Ruffin hervorhebt, nämlich die aggressive Tendenz — die Quälerei, mit der der Hypochonder gegen sich und die Umwelt vorgeht.
Auch Häfner betont, wie der Hypochonder seinen Leib zu „einem Stück Außenwelt“ macht. Dann geht Häfner dem Phänomen nach, wie beim Hypochonder durch „Entschwinden“ oder „in die Ferne rücken“ des Umweltbezuges, der Realitätsbezug schwächer und die Leibgefühle stärker in das Bewußtsein treten (Unterschied von „tragendem“ und „trügendem“ Leib). Das eine Mal, beim Senilen, ist das Entschwinden des Weltbezuges das Primäre; das andere Mal, bei der Flucht in die Krankheit wie bei der Suche nach mütterlicher Geborgenheit — daher auch als Rache für vorenthaltene Liebe (Aggression!), ist der Rückzug von der Welt das Entscheidende. Aber auch aus Müdigkeit und Erfolglosigkeit kann ein Patient die Beziehung zur Welt abbrechen und