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In „Das Unbehagen in der Kultur“ schreibt Freud (XIV, 488/89): „Gegen die Autorität, welche das Kind an den ersten, aber auch bedeutsamsten Befriedigungen verhindert, muß sich bei diesem ein erhebliches Maß von Aggressionsneigung entwickelt haben, gleichgültig welcher Art die geforderten Triebentsagungen waren. Notgedrungen mußte das Kind auf die Befriedigung dieser rachsüchtigen Aggression verzichten. Es hilft sich aus dieser schwierigen ökonomischen Situation auf dem Wege bekannter Mechanismen, indem es diese unangreifbare Autorität durch Identifizierung in sich aufnimmt, die nun das Über-Ich wird und in den Besitz all der Aggression gerät, die man gern als Kind gegen sie ausgeübt hätte. Das Ich des Kindes muß sich mit der traurigen Rolle der so erniedrigten Autorität — des Vaters — begnügen. Es ist eine Umkehrung der Situation, wie so häufig. „Wenn ich der Vater wäre und du das Kind, ich würde dich schlecht behandeln.“ Die Beziehung zwischen Über-Ich und Ich ist die durch den Wunsch entstellte Wiederkehr realer Beziehungen zwischen dem noch ungeteilten Ich und einem äußeren Objekt. Auch das ist typisch. Der wesentliche Unterschied aber ist, daß die ursprüngliche Strenge des Über-Ichs nicht — oder nicht so sehr — die ist, die man von ihm erfahren hat oder die man ihm zumutet, sondern die eigene Aggression gegen ihn vertritt. Wenn das zutrifft, darf man wirklich behaupten, das Gewissen sei im Anfang entstanden durch die Unterdrückung der Aggression und verstärke sich im weiteren Verlauf durch neue solche Unterdrückungen.“
Beobachtungen bei der Behandlung von Kindern, die sie in ihrem Buch „Psychologie des Kindes“ 1928 erstmals ausführlich zusammenstellte, haben Melanie Klein von der Richtigkeit der Auffassung Freuds überzeugt. Den Hauptinhalt ihrer weiteren Untersuchungen bildete das Studium der frühesten destruktiven Phantasien des Kleinkindes und ihre Auswirkung auf die Genese der Objektbezichungen und des Über-Ichs. Nach ihrer Auffassung