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Man gewinnt heutzutage manchmal den Eindruck, als stünden sich wie vor eineinhalb Jahrhunderten bei der Beurteilung psychiatrischer Krankheiten (Neurosen und Psychosen) „Somatiker“ und „Psychiker“ gegenüber. Noch immer gibt es die Gruppe derer, die W. Griesingers Schlagwort „Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten“ als allein gültige Maxime ihrem Denken und Forschen zugrunde legen und also die „Reduktion“ aller Psychopathologie in pathologische Neuroanatomie und pathologische Neurophysiologie als einzig legitimes Anliegen einer naturwissenschaftlich ausgerichteten Medizin betrachten. Es gibt andererseits die große Zahl derer, die, von der zeitgenössischen Existentialanalytik M. Heideggers angeregt, die Strukturen neurotischen und psychotischen „In-der-Welt-Seins“ in ihren jeweiligen Besonderheiten beschreiben, die Verfremdungen zu erhellen unternehmen, denen die Möglichkeit der Existenz als Offenstehen für das Sein verfällt. Beiden Gruppen scheint es gemeinsam zu sein, die Bemühungen derjenigen, die mittels psychoanalytischer Methoden das „Material-Objekt“, das psychopathologische Phänomen untersuchen, von vornherein für verfehlt zu halten. Die ersteren, weil sie an den psychischen Phänomenen als solchen wenig oder kein Interesse haben und deshalb seine ungemein intensive Bearbeitung für verlorene Liebesmüh halten, die anderen, weil sie die Methode wie auch die aus den mit Hilfe der Methode gewonnenen Aussagen gezogenen Schlüsse der Analyse für Blendwerk erklären, insofern unterstellt wird, es liege bei der zwischen Arzt und Patient im analytischen Prozeß oft erreichten Übereinkunft nichts als eine zwar sehr subtile, letztlich aber auf Hörigkeit beruhende suggestive Beeinflussung vor, und weil sie zudem meinen, die von der Psychoanalyse benutzten Konzepte seien beklagenswert primitiv, da sie auf einer inzwischen längst überholten, dem 19. Jahrhundert angehörenden Anthropologie basierten. Dabei ist es beliebt, darauf zu verweisen, die Psychoanalyse S. Freuds kenne