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Das Ziel der vorliegenden Abhandlung ist „eine Psychopathologie, ‚die tiefer blicken lassen wird, als rein phänomenologische Schilderungen, und die sich doch sorgfältig fernhält von dichterischer Interpretation‘ (Weitbrecht)“. Die Grundlage dazu übernimmt Thiemann der „Erkenntnishaltung und wissenschaftlichen Wertlehre“ Margarete Eberhardts, die mit ihrer „relationalen“ Denk- und Wertauffassung eine Art neue „Welttheorie“ meinte geschaffen zu haben, obwohl darin, wie so oft in solchen Fällen, lediglich ein Aspekt — hier die „Relationalität“ — verabsolutiert und zum einzigen Prinzip erhoben worden ist. Eberhardt hatte die vorsichtig geäußerte Hypothese zur Diskussion gestellt, der gemäß psychogene Störungen „bei Negativwertigwerden der Gesamtfunktion (Betätigen und Erleben) des Menschen“ entstehen und „nur durch das Fähigwerden zur idealgemäßen Selbststeuerung überwunden“ werden sollen. Das hat der Verf. in allen Fällen von psychoreaktiven Psychosen bestätigen können. Sieht man sich dieses „Negativ“- und „Positivwertigwerden“ des Erlebens und Betätigens etwas genauer an, so zeigt sich, daß mit den beiden weder sonderlich glücklichen noch schönen Ausdrücken ein Moment bezeichnet und zur Hauptsache erhoben wird, das jeder Verdrängung und Verdrängungs-aufhebung vorausgeht, nur daß Freud die Bewertung unbetont ließ — und zwar meines Erachtens mit Recht, weil das Bewerten als solches (nicht die von ihm motivierten und geleiteten Haltungen und Handlungen) keine Wirkmacht besitzt. Allerdings meint Thiemann mit Eberhardt, als „wirklich“ sei nur das anzuerkennen, „was in einheitlichem, gesetzmäßigem Beziehungszusammenhang zueinander steht“. Statt von diesem spricht er gleichbedeutend auch von einem „einheitlichen Wirkungszusammenhang“ oder „gesetzmäßigen Geschehenszusammenhang“: und schon dieser Wortgebrauch hätte dem Verf. zeigen sollen, daß die Auflösung alles Seienden („Materie“, „Seele“, „Geist“ seien nur „symbolische Wiedergaben“)