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Das flimmernde Spektrum homophilen Daseins, das v. Hentig mit Beispielen aus Mythologie und Belletristik noch bereichert, wirkt in seiner Vielfalt doch auch bisweilen verwirrend, und es ist oft schwer, das wirklich Charakteristische von dem Zufälligen und Widersprüchlichen zu unterscheiden, das mitbeschrieben ist. v. Hentigs literarischstatistische Methode hat den Vorzug, nicht zu langweilen; andererseits sind die dargestellten Fälle häufig nur skizziert, so daß sich kaum verbindliche Schlüsse oder Folgerungen ziehen lassen. Das gilt weniger vom kriminologischen Teil. v. Hentig befaßt sich nicht mit der Strafbarkeit der Homophilie, sondern nur mit der Kriminalität, bei der die homophile Neigung im Hintergrund steht. Interessant ist z. B., daß von 138 vorbestraften Personen, gegen die ein Verfahren wegen Homosexualität schwebte, 64, also 46,4% wegen anderer Delikte, 5% wegen anderer Sittlichkeitsdelikte und 22,5% wegen homosexueller und anderer Delikte gemischt, vorbestraft waren.
Thema des kriminologischen Teils ist der Mord. Unter der Vielzahl der komplizierten Motive sind die verständlichsten Sadismus des Täters und Masochismus des Opfers. Zu anderen sexuellen Motiven wie Überhitzung, Unbefriedigtsein, Haß gegen die Homophilie und die Homosexuellen kommt Gewinnsucht hinzu. Auch der Haß aus Eifersucht, der pathologische Drang zur Besitzergreifung führt zum Mord. Der Muttermord, bei dem die sexuell-intime Bindung mitspielt, wird am Beispiel Neros und Agrippinas erhellt, der Frauenmord mit dem Frauenhaß der Homophilen, die zugleich besitzlüstern sind, begründet. Gewisse homophile Tendenzen setzen bestimmte Mordmotive, so die Pädophilie den Knabenmord, bei dem die sexuelle Entspannung, der Lustgewinn am Toten usw. mitspielen.
Eine Überschau über die Eigentumsdelikte, die Körperverletzung, bei der wohl immer Sadomasochismus mitbeteiligt ist, und Kasuistik beschließen das im 2. Teil besonders instruktive Buch.
S. W. Engel (Heidelberg)