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Verfasser beobachtete 65 Internatszöglinge im Alter von 9,6 bis 16,9 Jahren, davon 37 kontinuierlich über neun Monate bezüglich ihrer Aggressionsäußerungen. Während eine sorgfältige Aufgliederung in 56 verschiedenen Formen aggressiver Manifestationen (direkte und indirekte aggressive Formen, Selbstaggressionen, Destruktionen) nur wenig zum tieferen Verständnis der Aggressionen beitrug, ergab die Faktorenanalyse, besonders aber das wiederholte Soziogramm wesentliche Aufschlüsse über die Ursprünge aggressiver Regungen in der Gruppe. Aggressive Schüler fanden sich meist auf der unteren Stufe der Rangordnung, um mit einem Rangaufstieg ihre aggressiven Tendenzen zu verlieren. Nur wenige aggressive Störer blieben ständig unten. (Hier finden sich Parallelen zu den gleichfalls auf niederen sozialen Rangstufen stehenden permanenten Störern und Anführern der Halbstarkenkrawalle, Ref.).
Der sozial-ambivalente, nämlich gleichzeitig kontaktsuchende und -bindende Charakter mancher Aggressionen, wie necken, reizen u. a., ist zu beachten. So kommt der Aggression eine wichtige soziale Bedeutung im Dienst der Ich-Verteidigung und Ich-Erweiterung zu, auf die Mitscherlich mit dem Begriff der Aktivität als einer gelungenen Legierung von Libido und Destrudo (Aggression) hingewiesen hat.
Wenn Verfasser beiläufig andeutet, welche Gründe (z. B. Scheidung der Eltern) die Internatsaufnahme der Schüler veranlaßten, so ist zu vermuten, daß das Bild der Aggression auf dem Hintergrund der Lebensschicksale der Kinder noch wesentlich vielschichtiger erscheinen würde.
Gerd Biermann (München)