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In Deutschland hat die Psychoanalyse durch die Abwanderung der meisten Analytiker in der Nazizeit wertvolle Vertreter verloren. Diese Emigration ist der amerikanischen Psychiatrie zugute gekommen, sie hat der Psychoanalyse in USA zu großer Popularität und wissenschaftlicher Vertiefung verholfen. In der jüngsten Vergangenheit haben sich die Verbindungen zwischen amerikanischer und europäischer Psychiatrie wiederhergestellt. Die deutsche und schweizerische Psychiatrie unter der Führung von v. Weizsäcker, Binswanger und Boss ist von der Phänomenologie Husserls und dem Existentialismus von Heidegger und Jaspers beeinflußt worden. Rollo May und seine Mitarbeiter haben in einem kürzlich veröffentlichten Buch, Existence (13), diese Einflüsse auf die moderne Psychiatrie dem amerikanischen Leser nahegebracht. Ihre Interessen berühren sich mit denen der Psychoanalytiker in der Ichpsychologie und in dem subjektiven Erlebnis der Identität. Wenn das Ich eines Menschen sich auf seine unbewußten Triebquellen und die Meisterung der Wirklichkeit verlassen kann, lebt der Mensch im Vertrauen auf seine Ganzheit; wenn er vom Zustand innerer Verwirrung und vom Konflikt mit der Wirklichkeit überwältigt ist, überwiegt das subjektive Erlebnis der Angst.
Aber das emotionale Erlebnis der Ganzheit ist niemals statisch, die synthetische Funktion des Ich schafft kein geschlossenes System. Solange der Mensch lebt, bleibt er in verschiedenem Grade offen gegenüber der Zukunft und geöffnet der Welt, wie er sie sieht. Die Welt seines Erlebens und sein Ich stehen im gegenseitigen Austausch. Das Individuum formt seine Welt und die Wirklichkeit dieser Welt formt ihn. Seine Impulse und Intentionen, die in die Zukunft zielen, werden gestaltet durch Kräfte des Zerfalls und des Aufbaus, die Freud auf den Lebenstrieb (Eros) und den Todestrieb (Thanatos) zurückführte. Selbst wenn nicht alle Psychiater dem Begriff eines Todestriebes zustimmen, so bestätigen gerade die Existentialisten die Wichtigkeit der unbewu