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Es klingt vielleicht überheblich, wenn ein ausländischer Gast über das dänische Genie spricht, dessen prophetische Schriften das Denken späterer Generationen überall in der Welt beinflußt haben. Kierkegaard war ein Vorläufer der Existentialphilosophie und der analytischen Psychologie. Seine Psychologie war die eines Dichters und Philosophen, nicht die eines Naturwissenschaftlers. Sie entsprang aus seinen Selbstbeobachtungen. Es gelang ihm, in seinen Tagebüchern seine seelischen Erlebnisse in ihren feinsten Nuancen zu schildern; auch seine poetisch-philosophischen Schriften sind eine verschleierte Autobiographie.
Es ist viel über Kierkegaard geschrieben worden, in der dänischen und in anderen Sprachen. Für meine begrenzten Zwecke fand ich das Buch Johann Hohlenbergs (6), des dänischen Biographen, besonders nützlich, außerdem Fanny Lowtzkys Schrift über Sören Kierkegaard (31), mit dem Untertitel „Subjektive Erfahrung und religiöse Enthüllung. Eine psychoanalytische Studie einer Fast-Selbstanalyse“. Fanny Lowtzky beschreibt, wie nah Kierkegaard dem Erkennen seines Ödipuskonfliktes war und wie er versucht hat, ihn mit Hilfe von Philosophie und Religion zu lösen. Seit dem Erscheinen dieses Buches, , haben wir ein tieferes Verständnis der psychoanalytischen Ich-Psychologie gewonnen. Ernst Kris hat durch sein Buch „Psychoanalytische Erforschung der Kunst“ (28) Licht auf den Prozeß der schöpferischen Sublimierung geworfen. Lawrence Kubie (29) hat beschrieben, was die vorbewußten Prozesse zur Kreativität beitragen. Diese beruht ja auf der Freiheit im Sammeln, Zusammenstellen, Vergleichen und Neuorganisieren von Ideen. Kubie macht geltend, daß dieser Beitrag der vorbewußten Prozesse zur Kreativität ebenso allgemein ist wie ihr Beitrag zu späteren Neurosen, die die Kreativität beeinträchtigen oder zerstören (5). Erik H. Erikson hat in seinem Buch „Young Man Luther“ (2) die inneren Revolutionen eines anderen religiösen Genies neu zum Leben erweckt, das ebenso wie Kierkegaard an