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Um bereits zu Beginn dieser Studie jede terminologische Unklarheit zu vermeiden, wollen wir deprimiert den Kranken im Zustand der Depression nennen, und depressiv ein für die Depression prädisponiertes Individuum. Wir definieren die Depression als einen pathologischen Zustand, der charakterisiert ist durch ein seelisches Leiden und bewußte Schuldgefühle, begleitet von einer deutlichen Herabsetzung des Selbstwertgefühls sowie von einer Verminderung der seelischen, psychomotorischen und sogar organischen Aktivität.
Und wir möchten darauf hinweisen, daß diese deskriptive Definition nicht ohne weiteres die Anwendung der Begriffe “depressive Position” von M. Klein und “anaklitische Depression” von R. Spitz erlaubt, um Tatbestände zu umschreiben, deren Bedeutung wir wahrlich nicht bestreiten wollen. Es wäre unseres Erachtens jedoch besser gewesen, sie mit den ursprünglichen Termini zu belegen, um eine Wortverwirrung zu vermeiden, die fast immer auch eine Begriffsverwirrung nach sich zieht.1
Aber in den Grenzen der von uns gegebenen klinischen Definition beobachten wir bedeutungsvolle Abweichungen. Der depressive Zustand kann mehr oder weniger intensiv sein, bisweilen ist er nur latent vorhanden. Die seelischen Abläufe können verändert, verlangsamt und verdunkelt sein, sie können aber auch fast intakt bleiben. Bisweilen beherrschen Traurigkeit und Schuldgefühle das Bild, in anderen Fällen, besteht ein Gefühl der Leere. Bisweilen hört der Kranke uns zu, bisweilen überhaupt nicht. Wir müssen bei unseren psychoanalytischen Überlegungen diese klinischen Unterschiede berücksichtigen.
Aus diesem Grunde orientieren wir unsere Betrachtungsweise an der fundamentalen Einheit bei gleichzeitiger Verschiedenartigkeit der depressiven Zustände. Wir werden nun der Reihe nach die Konstanten und die Varianten schildern.