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Es ist von allen Psychoanalytikern allgemein anerkannt, daß der Mensch von zwei entgegengesetzten, fundamentalen Strebungen beherrscht wird: die eine ist positiv und drängt ihn zu lieben, zu vereinigen, zur schöpferischen Betätigung; die andere ist negativ und drängt ihn zu hassen, zu trennen und zu zerstören. Diese beiden Bedürfnisse sind entweder vermischt oder laufen einander parallel, mit einer Ausnahme, wenn nämlich die eine Strebung durch die andere ersetzt wird. Darauf wird Nacht in seinem Vortrag über die depressiven Zustände eingehen.1
Diese gegensätzlichen Antriebe sind es, die sich, wie wir wissen, in der Übertragungssituation manifestieren und eine Beziehung wiederherzustellen trachten, die früher unter dem Zeichen dieser widerstreitenden Alternativen erlebt worden war, als Subjekt und Objekt bereits ihre eigene und voneinander getrennte Existenz besaßen.
Im Verlauf einer Analyse kann es jedoch geschehen, daß wir in eine Region vorstoßen, die tiefer, verborgener und unberührt vom Psychischen existiert. Sie ist gekennzeichnet durch ein intensives Bedürfnis nach absoluter Vereinigung. Das Individuum scheint in einem solchen Fall nichts anderes mehr zu suchen als die Rückkehr in eine ursprüngliche Welt, in der eine Trennung noch nicht existierte. Es scheint, als entstehe die Angst, Mutter allen menschlichen Unglücks, erst mit dem Gefühl dieser Trennung und als behielte der Mensch immer dieses Verlangen nach dem Zustand der Einheit, des Friedens und der Fülle. Das ist der Präobjekt-Zustand par excellence, dieser tief verwurzelte Wunsch, mit dem Objekt eins zu sein, mit ihm zu verschmelzen.
Die Philosophen aller Zeiten haben dies fundamentale Bedürfnis des Menschen nach Einheit erkannt, und jeder hat es in der ihm gemäßen Weise interpretiert — sei es die sehr alte chinesische Philosophie des Laotse, die vorsokratische Philosophie Heraklits oder die bekannten platonischen Mythen, aber auch Bergson und viele andere in unserer Zeit müßten hier erwähnt werden.
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