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Mit diesem Kongreß, der zum ersten Mal in der Stadt tagte, von der die Individual-psychologie (IP) ausging, hat die Adlersche Schule ihre Vitalität und ihre Anpassungsfähigkeit an die führenden Strömungen in der Psychologie der Gegenwart bewiesen. Sie hat ferner gezeigt, daß das Adlersche Geisteserbe auch Forscher der jüngsten Generation anziehen kann, wie die Präsidentin Alexandra Adler in ihrer einleitenden Ansprache feststellte.
Als Hauptthema war das “Gemeinschaftsgefühl” gewählt worden, auf dessen Ausbildung Adler so großen Wert legte. Wir wollen aus der überreichen Fülle von Vorträgen einige herausheben. R. Dreikurs (USA) gab eine klare Definition der individualpsychologischen Grundthesen und beschrieb die Technik ihrer Heilmethode, wobei er jeden Eklektizismus ablehnte. Er wies auf die derzeitige Krise der Erziehung hin und auf die paradoxe Erscheinung, daß es in Amerika die Kinder sind, die den Eltern diktieren. Eine Rückkehr zu autoritären Erziehungsformen sei jedoch unangebracht. Vielmehr müßten die Eltern lernen, den Kindern durch echte Überlegenheit zu imponieren. Kurt Adler (USA) erörterte in seinem Vortrag das Wesen der Depression (Melancholie) vom Gesichtspunkt der IP aus. Für ihn bleibt die Deutung, die sein Vater dieser Form der Psychose gab, die einzig zulängliche. Nach Adler steckt hinter jeder Depression das Streben des Kranken, seine Umgebung durch Appell an ihr Mitgefühl auszubeuten. Dieses fiktive Ziel ist in der Kindheit durch einen fehlgebahnten Geltungsdrang geschaffen worden. Die Selbstbeschuldigungen des Deprimierten sollen ihm nur vorlügen, wie edel und sittlich hochstehend er sei. Der Therapeut habe jedoch den Kranken für diese “pure Bösartigkeit” (Nietzsche) nicht zu bestrafen, sondern mit unendlicher Geduld und nach Herstellung einer warmen mitmenschlichen Beziehung allmählich zu einer gemeinnützigeren und darum auch glücklicheren Seelenlage hinzuleiten. K. Adler warnt vor alleiniger Anwendung der neuen antidepressiven Mittel, denen er