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Wo immer zwischen Arzt und Patient das Wort “chronisch” ausgesprochen wird, entsteht die Stimmung der Resignation. Der Kranke erfährt, daß er sich mit einem chronischen Leiden oder Zustand abfinden, ihn zu tragen lernen muß; der Arzt sieht sich an der Grenze seiner Möglichkeiten; es mag ihm vergönnt sein zu lindern, heilen kann er nicht. Dieser Aura der Hoffnungslosigkeit, Einschränkung, Erwartung einer Zukunft, welche kaum mehr Fortschritt und Entwicklung verspricht, und die viele unserer Patienten mit sich in unser Sprechzimmer bringen, gelten die folgenden Gedanken. Kann man mit einiger therapeutischer Hoffnung den toten Punkt in manchen dieser Fälle überwinden?
Eine banale Feststellung zuerst: was chronisch ist, muß akut gewesen sein. Welcher Art sind die Krisen, die nicht vorübergehen, sich vielmehr für das Bewußtsein des Patienten als etwas Fremdes in ihm einnisten, das mit ihm mitlebt, aber gegen ihn lebt? Die Romanliteratur ist voll von einfühlenden Beschreibungen solcher endgültiger Dissoziationen. Es sind Beispiele einer intuitiven, aber rudimentären Phänomenologie. Ein aktuelles Geschehen, das nicht bewältigt wird – oder genauer, ein Kollaps der Erwartung, auf den nichts anderes folgt als Siechtum, Entfremdung des Schicksals, eine Wunde der Enttäuschung, die sich als körperliches Leiden offen, unvernarbt, unvergessen hält: all das findet sich oft überzeugend beschrieben. Der Dichter sieht darin den Werkstoff, den er für seine Handlung braucht. Figuren, für die das Leiden zur unabänderlichen Tatsache geworden ist, sind ihm gleichsam Fixpunkte, auf denen er das bewegte Geschehen aufruhen lassen kann. Aber warum wird eine Szene, eine Konstellation, eine innere Erfahrung – alles, was wir im Wort “Krise” begreifen, so übermächtig, so ohne Aussicht erlebt, die Dinge zum Besseren wenden zu können? Und wann vollzieht sich hier der Umschlag von Enttäuschung, Ohnmacht in körperliche Krankheit? Vielleicht wäre es besser zu sagen: wann verschieben sich in der Niederg