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In dieser Arbeit will ich versuchen, die Bedeutung der Affekte in Gesundheit und Krankheit herauszustellen und einige Verallgemeinerungen vor allem hinsichtlich der klinischen Probleme zu entwickeln, die sich auf die Pathophysiologie der Affekte beziehen.
Die Affektphysiologie ist für die Psychiatrie, wie für die Medizin überhaupt, von großer Bedeutung, insofern sie die Grundlage für das Verständnis der pathogenen Rolle der Affekte bildet. Dabei ist die Angst, ein Affekt, der in einem gewissen Grade alle anderen Gemütsbewegungen begleitet, besonders wichtig. Die Angst ist nicht nur ein Gefahrensignal, das Abwehr- und Rückzugsmaßnahmen mobilisiert; sie ist auch ein Symptom bei Störungen und Endprodukt beim Zusammenbruch der Integration. Ist es zur seelischen Desintegration gekommen, so entgleisen auch viele somatische Funktionen, deren Störung zum Symptom dieser oder jener Krankheit wird.
Im Jahre 1939 schien der Begriff einer psychosomatischen Krankheitsauffassung, besonders bei einigen sogenannten degenerativen Krankheiten, revolutionär. Diese Auffassung war jedoch nicht so neu, wie vielfach angenommen wurde; ein Blick in die Geschichte der Medizin belehrt uns eines anderen. Das Wort “psychosomatisch” war schon im vorigen Jahrhundert in Gebrauch; was es beschrieb, war nichts anderes als das alte Leib-Seele-Problem, über das schon seit der Antike nachgedacht und geschrieben worden ist. Noch jedes philosophische System hat sich, trotz geringen wissenschaftlichen Beweismaterials, darum bemüht, die Erscheinungen Seele und Leib dualistisch zu erklären; diese Anschauung scheint einen der vielen Trugschlüsse des “gesunden Menschenverstandes” zu enthalten. Nur wenige hervorragende Denker haben in Erwägung gezogen, daß Denken und Fühlen von Bewegung und Wahrnehmung nicht grundsätzlich verschieden sind. Aber schon die frühesten heilkundigen Männer, deren Schriften auf uns gekommen sind, hatten Erfahrungstatsachen gesammelt, daß Seele und Körper, obwohl als getrennte Einheiten