You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es ist bezeichnend für beide, die Physiologie und die Psychosomatik, daß man ihrer Kombination so selten begegnet und Beziehungen zwischen ihnen aufzusuchen eigens gebeten wird. Die Physiologie ist eine Wissenschaft vom Körper geworden, ihre Ergebnisse, einstens vom Frosch, stammen inzwischen immerhin schon von Hund und Katze. Eine Physiologie des Menschen bahnt sich als Verlängerung dies klassischen Linie an und kommt auf das “Tier, das man Mensch nennt”. Man pflanzt also auch diesem höchsten Säugetier Katheter ein (ungeachtet der Mortalität mancher Prozeduren auch zu rein wissenschaftlichen Zwecken) und mißt an ihm, was man vom Hund schon kennt. Das Stichwort “Seele” liegt nicht an diesem Weg, der in der Zoologie des Menschen und einer Medizin des Laboratoriumsbefundes endet. Die von mir nachgeschlagenen Lehrbücher des In- und Auslandes enthielten das Stichwort “Psyche” und seine nationalsprachlichen Übersetzungen nicht oder bestenfalls in der Kombination als “psychogalvanischer Reflex” und analoger Phänomene.
Da scheinen die Psychosomatiker bessere Menschen. Sie kennen die Seele, der sie täglich begegnen. Doch aus einer Kompensation wird allein noch keine Wahrheit. Man verzeihe dem eingefleischten Meßtechniker, wenn er in zu vielen Arbeiten auf dem Gebiet der psychosomatischen Medizin das Somatische zu kurz gekommen findet. Nicht einmal die Theologen glauben an eine “isolierte” Seele. Seele ist ein “Etwas am Leibe”, wie Nietzsche meinte, ohne daß wir hier den Ausdruck “Etwas” quantitativ oder wertend verstehen möchten. Doch sicher ist Seele nur am Leibe zu entdecken und nur durch Leibliches interpretierbar. Was will man dem Morphologen sagen, der die These aufstellt, auch der Neurose, der Ulkuspersönlichkeit usf. müsse etwas Somatisches zugrunde liegen? Ich kenne keine radikale Entgegnung, denn irgendwo ist jede Funktion somatisch begründet, und sei es in dem Substrat von Ganglienzellen und Neuronen, deren verwickelte elektrochemische Tätigkeit der unerläßliche Be