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Der Situation des Fachwissenschaftlers entspricht es, mit sogenannter “Unbefangenheit” an die von ihm gemachten Beobachtungen heranzugehen. Das will sagen, das überkommene, alltägliche Weltverständnis gibt ihm zunächst die begrifflichen Werkzeuge in die Hand, mit denen er seine Phänomene sichtet, ordnet und erklärt. Daß dabei jede dieser Tätigkeiten in ihrem materialen Aspekt eine lange Vorgeschichte hat, wird im aktuellen Forschungsbetrieb zumeist außer acht gelassen. Es wird also z. B. nicht bedacht, das “Sichten” und “Ordnen”, ja schon das Sehen einfacher Figuren (nach Erfahrungen an von Geburt Blinden, denen durch operativen Eingriff im Schulalter das Sehvermögen geschenkt werden konnte) nach einem “Vorverständnis” erfolgt, das im Grunde alles andere als “selbstverständlich” ist. Erst recht gilt das vom “Erklären”, d. h. für die Rückführung auf hinter den Phänomenen liegende Kräfte, wirkende Prinzipien und Ursachen; die Rückführung auf ein “Etwas”, das jedenfalls nicht allein in der Affektion der Sinnesorgane gelegen sein kann, sondern das eine Zutat unseres “Geistes” oder unserer “Seele” ist. Oder soll ich, der terminologischen Not ausweichend, von “Geistseele” sprechen?
Doch vorerst wollen wir versuchen, angelehnt an den üblichen Sinn des Wortes “Seele”, uns von den “praktischen Erfahrungen” belehren zu lassen. Vielleicht gelingt es, über diesen Weg das “Seelische” besser umgrenzen und genauer verstehen zu können.
Die praktische Erfahrung, die ich als Nervenarzt meine, ist der “klinische Fall”. Zwei Beispiele dieser Art wurden heute schon gebracht: eine Frau mit Blutdruckkrisen und eine andere, die an Verfolgungsvorstellungen leidet.1
Beim ersten Fall hörten wir, daß Todesangst einer der wichtigsten Faktoren aus der pathogenetischen Reihe war, beim zweiten erbrachte die minutiöse Auffaserung der Vorgeschichte des Symptoms den Hinweis, daß die Zuneigung zu einem Mann im Widerstreit mit der Liebe zu mütterlichen Personen