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Die Frage nach Gewähren und Versagen in der Psychoanalyse ist letzten Endes eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung, der Gültigkeit und den Grenzen des von S. Freud gegebenen technischen Ratschlages, der unter dem Namen der ‚Abstinenzregel‘ bekannt ist. Wir werden uns daher einleitend überlegen, was hat Freud selbst mit dieser Regel gemeint und darunter verstanden, danach, was wollen wir selbst unter diesem Begriff zusammenfassen. Darauf können wir die kritische Auseinandersetzung aufbauen. Ich habe immer wieder den Eindruck, daß manche Diskussion der hierher gehörenden Probleme darunter leidet, daß man aneinander vorbeiredet, weil unbemerkt bleibt, daß jeder verschiedene Bedeutungen mit diesem Begriff verbindet. Dabei können wir von so groben Miß Verständnissen wie dem, daß ein ‚wild‘ psychoanalytisch arbeitender Arzt unter Berufung auf diese Regel seinem erwachsenen verheirateten Patienten jede Sexualbetätigung für die Dauer seiner Behandlung verbietet, wie ich es vor nicht allzulanger Zeit erlebt habe, wohl absehen. Über das dabei zugrundeliegende Mißverständnis hat Freud in einem kleinen Aufsatz “Über ‚wilde‘ Psychoanalyse”1 schon 1910 das Notwendige gesagt.
Die erste Erwähnung der Abstinenzregel findet sich in den “Bemerkungen über die Übertragungsliebe”2, 1915.
Dort heißt es, “daß die analytische Technik es dem Arzte zum Gebote macht, … die verlangte Befriedigung zu versagen. Die Kur muß in der Abstinenz durchgeführt werden; ich meine dabei nicht allein die körperliche Entbehrung, auch nicht die Entbehrung von allem, was man begehrt, denn dies würde vielleicht kein Kranker vertragen. Sondern ich will den Grundsatz aufstellen, daß man Bedürfnis und Sehnsucht als zur Arbeit und Veränderung treibende Kräfte bei der Kranken bestehen lassen und sich hüten muß, dieselben durch Surrogate zu beschwichtigen. Anderes als Surrogate könnte man ja nicht bieten, da die Kranke infolge ihres Zustandes, solange ihre Verdrängungen nicht behoben sind, einer wirklichen Befriedigu