You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ich werde im folgenden einige Wesensmerkmale der psychopathischen Persönlichkeit erörtern und verwende diesen Begriff in dem Sinne, in dem er allgemein in der psychiatrischen und psychoanalytischen Literatur benutzt wird. Ich kann hier nicht ausführlich auf das analytische Schrifttum zu diesem Thema eingehen, möchte jedoch besonders auf Alexander (1930), Bromberg (1948), Fenichel (1945), Greenacre (1945), Deutsch (1955), Reich (1925) und Wittels (1958) hinweisen. Meine eigene Behandlung des Problems wurde im wesentlichen durch Einsichten, die ich aus der Arbeit Melanie Kleins gewonnen habe, bestimmt. Ich werde mich darauf beschränken, den Fall eines psychopathischen Patienten, den ich seit etwa drei Jahren in Behandlung habe, zu beschreiben und zu besprechen. Anschließend werde ich einige Folgerungen aus diesem Fall vortragen, die mir sowohl im Vergleich zu anderen psychopathischen Patienten als auch auf Grund der Literatur für die Psychopathologie des nichtkriminellen Psychopathen von allgemeiner Bedeutung zu sein scheinen.
X. war 16 Jahre alt, als er zur Behandlung kam. Er stammt aus einer jüdischen Familie. Sein Vater ist ein schwacher, unterwürfiger Mann, der in einem großen Industriekonzern arbeitet, sich jedoch ursprünglich auf den Rechtsanwaltsberuf vorbereitet hatte. Die Mutter, von französischer Abstammung, ist eine ängstliche, leicht erregbare Frau, die jünger aussieht, als ihrem Alter entspricht. Sie hatte einige Monate vor Beginn der Behandlung des Sohnes ein kleines Café eröffnet. Die zwei Jahre jüngere Schwester ist stabiler als X. Zwischen den Eltern scheinen beträchtliche Spannungen zu herrschen, aber beide sind um X. besorgt. Er wurde zur Behandlung gebracht wegen seines ruhelosen, unzufriedenen Verhaltens; er könne bei nichts durchhalten, habe keine richtigen Interessen und sei ein schlechter Schüler. Seine Mutter machte sich wegen seiner frühreifen sexuellen Entwicklung und Interessen Sorgen.
X. wurde 2 Monate nach der Geburt abgestillt, weil seine