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Fast alle erfahrenen Psychoanalytiker stimmen darin überein, daß für eine erfolgreiche Psychotherapie die bloße Kenntnis der psychoanalytischen Theorie und intellektuelles Verstehen des Patienten nicht genügen. Um helfen zu können, muß man den Patienten noch auf andere Weise, nämlich vom Gefühl her verstehen. Man kann sehr subtile oder komplizierte Gefühle eines anderen Menschen doch nur mittels dieses gefühlsmäßigen Wissens richtig begreifen. Dieses gefühlsmäßige Wissen, das Erleben der Gefühle eines anderen Menschen, bezeichnen wir als “Empathie”. Es ist ein sehr eigentümlicher Wahrnehmungsmodus. Für die Therapie jedenfalls ist die Fähigkeit zur Empathie eine unerläßliche Vorbedingung. Aber obwohl diese Tatsache, glaube ich, wohlbekannt ist, existiert auffallend wenig psychoanalytische Literatur zu diesem Punkt. Freud (11, 12), Ferenczi (8), Glover (13), Sharpe (23) und Fenichel (6) erwähnten sie kurz in ihren Beiträgen zur Technik. Im übrigen scheint die Neigung zu bestehen, Empathie als Selbstverständlichkeit vorauszusetzen oder sie zu unterschätzen. Ferner könnte es den Anschein haben, als bestünde ein Gegensatz zwischen Theorie und Empathie1. Systematische Theoretiker haben dieses Gebiet vernachlässigt, und “empathische” Kliniker verfassen keine theoretischen Schriften oder sie schreiben unsystematisch (Reik, 21, 22). Schließlich hört man oft, daß Empathie nicht gelehrt noch erlernt werden könne; man hat sie oder hat sie nicht. Vielleicht spielen alle diese Elemente für die relative Unklarheit über dieses wichtigen Themas eine Rolle.
Bevor ich weitergehe, möchte ich eine vorläufige Definition des Begriffes Empathie versuchen, so wie er in der Psychoanalyse benutzt wird. Empathie ist gleichbedeutend mit Einfühlung, Erleben der Gefühle eines anderen Menschen. Dieses Teilen der Gefühle ist nur zeitweilig. Man nimmt an der Qualität, nicht am Grade dieser Gefühle teil, an ihrer Art, nicht ihrer Intensität. Es ist in erster Linie ein vorbewußtes Phänomen au