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Casanova sagte einmal, daß die Leute am gefährlichsten seien, die nur ein einziges Buch gelesen haben, womit er ausdrücken wollte, daß jene, die ihre geistige Schulung lediglich an einem Lehrgebäude erfahren haben, anderen und für sie neuen Ideen gegenüber heftigen Widerstand leisten. Die Verfechter des pharmakologischen Monismus in der Psychiatrie einerseits und die unerbittlichen Anhänger einzelner psychotherapeutischer Gruppen andrerseits sind ein drastisches Beispiel hierfür. Ehemals selbst Vorkämpfer einer neuen Idee, machte sie die Durchsetzung dieser Idee orthodox. Das Phänomen ist so bekannt, daß es nicht mehr lohnend wäre, darüber einen Artikel zu schreiben, würde nicht eine Analyse der Widerstände gegen das Psychodrama mehr enthüllen als geistige Trägheit und ängstliche Ablehnung des Fremdartigen. Die Widerstände gegen das Psychodrama spiegeln nicht nur die Richtung der üblichen Psychiatrie und der klinischen Psychologie, sondern wesentliche Tendenzen in unserer Kulturentwicklung.
Der Siegeszug des Tranquillizers innerhalb und außerhalb des psychiatrischen Krankenhauses ist ein wesentliches Charakteristikum der neuen Psychiatrie. Der Kranke soll möglichst beruhigt, genauer gesagt, möglichst ruhig gehalten werden. Die Vorteile dieser Methode, besonders wenn die äußerliche Beruhigung des Patienten psychotherapeutisch ausgenutzt wird, sind unleugbar. Aber allzuoft wurde das einsame Toben in der Gummizelle durch die ebenso einsame Apathie des Dämmerzustandes abgelöst. Die Ruhe wurde Selbstzweck. Kein Wunder, daß in einer solchen Atmosphäre das Psychodrama mit seiner Betonung des acting out und mit seinen Möglichkeiten zu dynamischen Explosionen als unpassend und störend empfunden wird, besonders da im Gegensatz zur verbalen Psychotherapie nicht nur freies Reden, sondern freies Agieren gestattet ist. Das Psychodrama wird gleichsam als Antipode des Tranquillizers betrachtet. Man übersieht, daß der psychodramatische Ausbruch von Moreno mit vollem Recht ein “therap