You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ausgehend von der analytischen Theorie der Fehlleistungen (Freud, Kemper) und ihrer grundsätzlichen Kritik durch Heiss, weist Verf. auf den andersartigen Charakter der kindlichen Fehlleistung hin. Er sieht die zahllosen Fehlleistungen des Kindes als Symptom einer noch mangelnden Selbstkontrolle und natürliche Folge einer noch unausgereiften Erinnerungskraft. In der magischen Kinderwelt noch ungesicherter realer Begriffe ist vieles dem Erwachsenen unverständlich, so daß erst eine tiefere Analyse die hinter einer Eigenheit, “Unart” oder “dummen” Antwort steckende Fehlleistung aufdeckt.
Die klassischen Fehlleistungen des Selbstverrates und der Selbstbestrafung kommen beim Kinde ungleich häufiger als beim Erwachsenen vor, der im Laufe der Zeit ein kunstvolles Abwehrsystem gegen sein Versagen errichtet hat. Die kindliche Fehlleistung tritt noch viel naiver und spontaner in Erscheinung als die maskierte, oft unverständliche Fehlleistung des Erwachsenen. Sie ist der unmittelbare und unverstellte Ausdruck kindlichen Erlebens und steht in einem direkten Bezug zum Ganzen seiner Existenz. Nicht die Fehlleistung, sondern die dahinter stehende Fehleinstellung ist entscheidend. Verf. trennt eine altersentsprechende natürliche Fehlauffassung von einer durch einen Entwicklungsrückstand und einer durch eine Fehlentwicklung bedingten Fehlauf fassung. Die Beurteilung einer Fehlauffassung ist erst möglich, wenn man tiefenpsychologisch die Gründe derselben erforscht hat.
Wortverdrehungen können im Stadium des Lernenden einer produktiven schöpferischen Leistung entsprechen, der allerdings wiederum oft eine aus der Gefühlstendenz des Kindes zu erklärende individuelle Bedeutung zukommt. Daß dabei die Gefahr einer Fehldeutung und des Mißverstehens groß ist und nur durch eine sorgfältige Kenntnis der Gesamtsituation des Kindes vermieden werden kann, ist dem Kinderanalytiker wohl geläufig. Andererseits kann die subtile Erforschung der Fehlhandlungen eines Kindes wesentlich zu einer genaueren