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Deutsche geraten leicht in Harnisch, wenn sie merken oder argwöhnen, daß jemand das Sakrileg begeht, an ihren Idealen zu rütteln. Nach dem erschütternden Desaster zwischen den Jahren 1933-1945 sind nicht mehr viele überkommene und gemeinhin verbindende Ideale geblieben. Aber einem tiefen Bedürfnis des leidenden Menschen entsprechend, aber auch einem sehr viel handgreiflicheren Bedürfnis mancher in dieser vergangenen Zeit irrenden Ärzte entsprechend, regenerierte sich das Ideal des Arztes—gestützt auf das “Ethos des Arztes”—bald in gereinigter Fleckenlosigkeit.
Schultens Analyse gilt diesem idealisierten Arztbild, dem einzelnen und seinen verschiedenen Gruppierungen, und seine Ergebnisse erfordern keine Prophetie, um wie der Autor in seinem Vorwort sagen zu können, daß sie “Anstoß erregen” werden. Wer tabuierte Ideale attackiert, wird—wer wüßte das besser als die Psychoanalyse—keine Dankbarkeit ernten, auch wenn und gerade weil er die Wahrheit ausspricht, um die Kräfte der Selbstheilung vielleicht anzuregen.
Schulten will desillusionieren, er tut es auch mit Erfolg und bringt durch seine Person und seinen beruflichen Lebensweg Kompetenz und Überblick in die Analyse. Er wendet sich zuvörderst an diejenigen, die Ärzte werden wollen, und an die, die es schon sind.
Die Themen, in die das Buch aufgegliedert ist, lauten: “Wie wird man Arzt”, “Der Arzt im allgemeinen”, und “Der Arzt im besonderen”.
Den ersten Teil wollen wir bei dem knappen Raum für die Rezension übergehen. Er zeigt die Schein-Atmosphäre (im doppelten Sinne! Ref.) des gesamten Ausbildungsganges, an dessen Ende “sich kaum jemand imstande (fühlt), nun selbständig Menschen zu behandeln”. Eine nennenswerte Wandlung dieser beklagenswerten Situation erscheint in absehbarer Zeit unwahrscheinlich.
Mit “dem Arzt im allgemeinen” fährt Schulten in der Desillusionierung fort. Seine “Aufgabe” sinkt vom Podest des omnipotenten Heilen-Könnens auf den Boden menschlicher Hilfestellung, bei der das Wesen des Kranken und des Arzte