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Der Verf. legt in diesem Buch Erfahrungen aus seiner seelsorgerischen Tätigkeit als Pfarrer und als Psychotherapeut vor, um seinen “Brüdern im Amt und allen Gemeindegliedern, denen ihre seelsorgerliche Verantwortung bewußt ist, das Nötige mitzuteilen”. Grundsätzlich geht es darum, die urchristliche Verbindung von Heil und Heilung wiederzugewinnen. Der Verf. erblickt neue Wege “priesterärztlichen Handelns” in der Anwendung psychotherapeutischen Erfahrungsgutes in der Seelsorge.
Im ersten Teil werden vom tiefenpsychologischen Menschenverständnis her Entwicklung und Fehlentwicklungen in verschiedenen Lebensbereichen behandelt (Kindheit; Jugendalter; Ehe; Unverheiratete Frau; Lebens wende; Krankenbett; Neurosen; Süchte, Per Versionen und Psychosen). Hier finden sich Einsichten und Ratschläge für Erziehungs- und Lebensschwierigkeiten, an reichem Material aus der Praxis illustriert. Im zweiten Teil geht es um die Erneuerung der Seelsorge von der existentiellen Begegnung und Zwiesprache her (Gestaltung des Dienstes am Einzelnen; Person des Seelsorgers).
Es ist außerordentlich erfreulich zu sehen, auf wie mannigfache Weise Psychotherapie in der Seelsorge wirksam werden kann. Jedoch fallen Unstimmigkeiten zwischen Theorie und Praxis auf. Das Kapitel 1 der “Kindheit”, in dem speziell Freuds Beiträge zur frühkindlichen Sexualentwicklung behandelt werden, ist überschrieben “Die Triebhaftigkeit des Kindes”, und sie, die ungehemmte Triebhaftigkeit, wird als die Sünde der Kinder bezeichnet. Eine solche “Darbietung” birgt, zumindest für Laien, die Gefahr zu Mißverständnissen in sich und bedürfte einer differenzierteren gedanklichen Durchdringung. Sonst könnte das Bemühen des Verf. fragwürdig werden, daß “die tiefenpsychologischen Grundbegriffe von Freud, Adler und Jung erst von ihren weltanschaulichen Hintergründen abgelöst werden müssen, bevor sie in der Seelsorge zur Anwendung gelangen können”.