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Die Psychoanalyse Freuds hatte bekanntlich seit ihrer Begründung, kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts, während Jahrzehnten mit schweren Widerständen zu kämpfen. Dabei fiel weniger ins Gewicht, daß die neue Lehre anfänglich vom “breiten Publikum” der Gebildeten aller Länder fast durchweg abgelehnt wurde, als vielmehr die Tatsache, daß sich auch die Ärzteschaft — und nicht zuletzt auch die engeren Fachkollegen Freuds, die Neurologen und Psychiater, der Psychoanalyse gegenüber mehrheitlich negativ oder doch zum mindesten äußerst reserviert verhielten. Es ist nicht zuviel gesagt, daß die ersten Arbeiten Freuds (mit Breuer) über die Psychogenese der Hysterie (1, 2) und über die Angstneurose (25), ganz besonders aber auch seine neue Sexualtheorie (28) auf die Fachkollegen zunächst eine wahre Schockwirkung ausübte.
Freud selbst hatte sich diese Schockwirkung später — sicher mit Recht — so erklärt, daß er durch seine neue Lehre von der amoralischen Natur der menschlichen Triebe und des Fehlverhaltens in Gestalt der Neurosen der Menschheit offenbar zum drittenmal eine jener schweren narzißtischen Kränkungen zugefügt habe, wie sie eine solche seinerzeit schon von Kopernikus durch dessen Nachweis, daß die Erde nicht der Mittelpunkt des Weltalls ist, und später durch Darwins Theorie, wonach auch der Mensch vom Tier abstamme, in Kauf nehmen mußte.
“Allerdings” — so schrieb ich in einer kürzlich erschienenen Abhandlung (21) — “hatte Freud diese Widerstände zum Teil ‘mitverschuldet’ durch seine gänzlich neue Terminologie, die eo ipso immer wieder zu Mißverständnissen Anlaß gab; so, wenn er zum Beispiel schlankweg von der ‘Sexualität’ des Kleinkindes, ja sogar des Säuglings sprach; hätte er statt dessen beispielsweise nur den ‘vornehmeren’ Ausdruck ‘Erotik’ für die betreffenden, heute ja absolut feststehenden Tatsachen gebraucht, so wäre sicherlich alles in Ordnung gewesen und man hätte ihn als einen der bedeutendsten Philosophen und Psychologen unserer Zeit zum mindesten mit wohlwo