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Bei der psychoanalytischen Behandlung erwachsener Psychopathen1 stellten Abwehrmechanismen, die gegen das Überich der Patienten gerichtet waren, den wichtigsten Teil der seelischen Vorgänge dar, die bearbeitet werden mußten, und in der Ausbildung dieser Abwehrmechanismen sehen wir auch den wichtigsten Unterschied der Psychopathie gegenüber anderen seelischen Störungen.
Aus der Entwicklung des psychiatrischen Psychopathiebegriffes können wir hier nur festhalten, daß er keineswegs mehr mit dem der Rechtsbrecher zusammenfällt, daß wir jedoch Psychopathen unter allen Arten von Verbrechern finden. Latente Rechtsbrecher, analog dem latenten Verwahrlosten von Aichhorn, sind häufig Psychopathen. Verwahrlosung ist noch keine Psychopathie, auch wenn sie zu asozialem Verhalten führt.
Die Psychoanalyse neigte dazu, den Begriff der Psychopathie ganz fallen zu lassen und von neurotischen Charakterstörungen zu sprechen. Wir sehen die Psychopathie natürlich ebenfalls als Charakterstörung an, die sich aber von den anderen Charakterneurosen unterscheiden läßt. Dabei ist für uns die spezielle Psychopathologie leitend; die genauere Diagnose wird aus der inneren Struktur und Psychodynamik, die wir beschreiben wollen, möglich.
Psychopathen sind Persönlichkeiten, die keine Spannungen aushalten, die auf eine unmittelbare Befriedigung ihrer Triebbedürfnisse ausgehen, die darum asozial, häufig antisozial werden. Oft sind sie aggressiv. Genauer gesehen greift der Psychopath meist nicht etwa die Gesellschaft an, sondern diese stört ihn in seinem Streben nach Befriedigung. Er vermag keine dauernde Beziehung zu Liebesobjekten aufrechtzuerhalten. Sein Gewissen scheint zu fehlen, oder sein Überich zumindest sehr mangelhaft ausgebildet zu sein.
Wir stimmen den Autoren bei, welche annehmen, Psychopathen hätten doch ein Überich, und meinen, die gegen das Überich gerichtete Abwehr lasse den Eindruck entstehen, es sei gar nicht vorhanden.
Ein 37jähriger Familienvater ist am hellen Nachmittag von der Arbeit