You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieser Band enthält eine nicht unkritische, aber gründliche Würdigung des Lebenswerkes Sigmund Freuds, in welcher der Verfasser Freud in einer reichen und weisen Auswahl wörtlicher Zitate selbst sprechen läßt. G. Bally sucht den Begründer der Psychoanalyse historisch zu verstehen als einen Wissenschaftler, der sich der Biologie, und zwar der physikalisch-chemisch fundierten Physiologie, verpflichtet hat, denn im Beginn von Freuds Laufbahn wurde die Physik als Vorbild der naturwissenschaftlichen Exaktheit von Physiologen und Biologen anerkannt. So versuchte Freud den psychischen Apparat in Begriffen der Hirnphysiologie darzustellen. Seine dichterische Vorstellungskraft, die die psychologischen und psychopathologischen Phänomene bei seinen Kranken verstehen und beschreiben konnte, durchbrach aber immer wieder den allzu engen Rahmen dieser naturwissenschaftlichen Exaktheit. Doch Freud unternahm nicht wie Edmund Husserl eine philosophische Besinnung der phänomenologischen Grundlagen seiner Bemühungen.
Im Anhang unter den Quellentexten hat Bally Josef Breuers Krankengeschichte “Frl. Anna O. … (1895)” gebracht, die Freuds Interesse auf die Erforschung der Hysterie und des verdrängten Unbewußten gelenkt hat. Der Kranke, der sich gemäß der Freudschen psychoanalytischen Methode dem Spiel der freien Assoziationen überläßt, ist infolge seiner inneren Orientierung auf den Arzt gefördert oder gehemmt in seinen Produktionen. Diese Beziehung zum Arzt, die Übertragung, enthüllt sich als falsche Verknüpfung, die der verdrängten kindlichen Sexualität entstammt.
Freud sieht in der Verdrängung und in der Rückkehr des Verdrängten in Form von Symptomen, Träumen oder Halluzinationen ein Kräftespiel, das ihn zu analogistischen Hypothesen mechanistischer Art führt, aber Bally befürchtet, daß der mitweltliche Bereich der Erlebnisse der Neurotiker in dieser objektivistischen Betrachtungsweise vernachlässigt wird. In der kindlichen Sexualität mit ihren verschiedenen Entwicklungsstufen und Partia