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Harold Searles, den Lesern der Psyche bereits durch einige Arbeiten bekannt geworden, hatte in Chestnut Lodge einzigartige Möglichkeiten zur Erforschung seines Gegenstandes: Die langjährige Begegnung mit schizophrenen Patienten im Rahmen einer intensiven Psychotherapie, die nahe Vertrautheit mit Dutzenden von anderen Krankheitsverläufen, die Ergebnisse zahlloser Konferenzen und Falldarstellungen: sie alle haben sich auf das vorliegende Buch ausgewirkt.
Es ist ein Buch, dessen Titel leicht über seinen Inhalt irreführen kann. Denn es deutet einen Unterschied zwischen “normaler” und schizophrener Entwicklung an. Statt dessen läßt es gerade, wie mir scheint, den Begriff “normal” problematisch werden, indem es uns schizophrenes Erleben als Spielart allgemein menschlichen Erlebens vertrauter und verständlicher werden läßt. Das schizophrene Symptom, früher als Ausdruck der Verrücktheit und Andersartigkeit des Patienten gewertet, offenbart sich in der langjährigen therapeutischen Begegnung als eine Variante menschlicher Realitätsbewältigung, die darum verständlich wird, weil sie als mögliche eigene Erlebensvariante erkannt wird. Während nun etwa Sullivan einen Großteil der schizophrenen Symptomatologie als Spielart menschlicher Angstbewältigung in seiner Bedingtheit durch und Verzahnung mit zahlreichen soziologischen Faktoren und Situationen aufzeigte, hat Searles seine Erkenntnisse um ein ähnlich zentrales Thema organisiert. Es ist die mit dem menschlichen Wachstumsprozeß einhergehende notwendige Differenzierung seiner Gefühls- und Erkenntniswelt. (Vergl. dazu auch Harold Searles' Arbeit “Integration and Differentiation in Schizophrenia: An Over-All View”, British Journal of Medical Psychology, Vol. XXXII, pp. 261-281, ). Dieser Differenzierungs- und Integrationsprozeß kann von vielen Ansatzpunkten her behindert, fixiert und in schwer reversibel zu machende Bahnen, besser Sackgassen, gelenkt werden. Während nun bisher dieser Prozeß fast ausschließlich im Lichte der für den