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“In der modernen Industriegesellschaft ist die Krankheit nicht nur ein medizinisches, sondern ebenso ein soziales, soziologisches, wirtschaftliches und nicht zuletzt psychologisches Problem”, schreibt der Autor im Vorwort, und er schließt seine Untersuchung mit der Hoffnung, daß “die soziologische Forschung … der medizinischen … helfen und umgekehrt die Medizin der Soziologie für ihre Arbeit weitere Hilfestellung gewähren” werde.
In seiner Studie bringt Thieding instruktives Material über das Faktum Krankheit als soziales Phänomen. Er zeigt den Patienten nicht nur als Kranken, sondern auch gerade als soziales Wesen — als Kassenmitglied und Produktionsmitglied.
Die Zunahme der Behandlungsfälle, die steigenden Kosten, das überdeterminierte Problem der Arbeitsunfähigkeit, Betriebsunfälle und Berufskrankheiten, Invalidität und ihre Ursachen, vorzeitiger Tod — diese Aufzählung mag den weitgespannten Rahmen der Untersuchung zeigen, in dem der Autor auf Grund detaillierter statistischer Erhebungen zu seinen beeindruckenden Ergebnissen kommt.
Zur Frage der Zunahme der Behandlungsfälle schreibt Thieding: “Den täglichen Anforderungen, die das Leben an uns stellt, sind heute viele Menschen nicht mehr gewachsen. Eine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bleibt unerfüllt.” Augenfällig macht der Autor den inneren Zusammenhang zwischen Konjunkturlage und Häufigkeit der Arbeitsunfähigkeit bzw. den Anträgen auf Invalidisierung. “Die Arbeitsunfähigkeitszahlen folgen von einer gewissen Höhe ab sozial und soziologisch bedingter Eigengesetzlichkeit. Sie geben uns auch keinen Aufschluß über den wahren Krankheitsbefall …”.
Die Häufigkeit der Berufsunfälle, die Morbidität der Belegschaftsmitglieder sagen etwas aus über das menschliche Betriebsklima; hier wie auch bei allen Rehabilitationsmaßnahmen wird psychologischen Fragen große Bedeutung zugemessen.
Die Untersuchungsergebnisse sind eine Fundgrube, und der Autor zeigt an trockenen Zahlen, wie das Einzelindividuum unter dem Druck seiner Massen