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Zweifelsohne herrscht heute bei vielen jungen Eltern in Erziehungsfragen Ratlosigkeit. Dabei fehlt es ihnen nicht am guten Willen, das Rechte zu tun. Sie möchten ihr Kind unter den besten Voraussetzungen aufwachsen lassen und haben ein großes Bedürfnis, zu erfahren, wie man es denn richtig macht. Durch die Isolierung in Kleinstfamilien und die außerordentliche Beschränkung des Bekanntenkreises, namentlich in den Städten, können sie jedoch kaum aus der direkten Beobachtung lernen. Ein allgemeiner Schatz von Erfahrungen kann sich nicht mehr ausbilden. Während vielfältige Möglichkeiten bestehen, aus Büchern und in Kursen die körperliche Pflege des Säuglinges und des heranwachsenden Kindes zu erlernen, können Eltern kaum etwas über die seelisch-geistige Entwicklung ihres Kindes und über die Betreuung dieser Seite des menschlichen Werdens erfahren. Diesem Notstand abzuhelfen, genügen einzelne Ratschläge in Säuglings- und Kinderpflegebüchern nicht; denn die richtige Erziehung kann nicht nach einem “Rezeptbuch” vorgenommen werden, sondern sie entspringt aus einer “geistigen Haltung”.
H. Zulliger sagt: “Wenn wir Kinder erziehen wollen, müssen wir uns vor allem bemühen, in ihr Denken einzudringen — sonst werden wir recht vieles falsch machen”, und an anderer Stelle: “Wer die Kinder lieb hat, sollte sie in ihrem Wesen verstehen. Das bessere Verstehen erleichtert die Führung”. Viele Eltern sind jedoch dem Denken und Erleben der Kindheit entfremdet. Hier Abhilfe zu schaffen, den “Elterngeist” zu schulen, hat sich das vorliegende Buch zum Ziel gesetzt.
Aus Radiovorträgen und Zeitschriftenaufsätzen entstanden, wendet es sich an alle Eltern, nicht nur an die psychologisch vorgebildeten. Die Fülle von Beispielen, Erlebnissen, Selbstzeugnissen der Kinder, die Zulliger in seiner lebenslangen Tätigkeit als Lehrer und Kinderpsychotherapeut sammeln konnte, macht das Buch in allen Abschnitten lebendig. Durch sie werden die Ursachen und Triebkräfte des kindlichen Erlebens jedem Leser deutli