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Als seinerzeit das Programmkomitee um Vorschläge für das wissenschaftliche Programm des Psychoanalytiker-Kongresses bat, glaubte ich die Gelegenheit gekommen, daß wir Psychoanalytiker uns einmal über Gemeinsamkeiten zwischen Ethologie und Psychoanalyse unterhielten. Ich regte daher das Symposium an und hatte dabei die Vorstellung, daß wir hauptsächlich über offene Fragen und ungelöste Probleme diskutieren würden, ohne definitive Antworten anzustreben. Wir wollen also Gedanken austauschen, Fragen aufwerfen und Probleme der Tierverhaltensforschung erörtern, soweit sie im Zusammenhang mit der Psychoanalyse stehen, um von hier aus zu einem besseren Verständnis des menschlichen Verhaltens zu gelangen.
In meinem Einleitungsreferat möchte ich zunächst einige Berührungspunkte zwischen Ethologie und Psychoanalyse aufzeigen. Ich will dann zu den Instinkttheorien der Ethologie Stellung nehmen, um danach einige von Ethologen vertretene Ansichten wiederzugeben, auf welche Weise ihre Erkenntnisse für das Studium menschlicher Verhaltensweisen nutzbar gemacht werden könnten. Abschließend werde ich an mehreren Beispielen zeigen, wie die Forschungsergebnisse der Ethologie von Psychoanalytikern herangezogen wurden, um bestimmte Probleme beim Menschen besser zu verstehen.
In den letzten Jahren fanden sich in der psychoanalytischen Literatur mehr und mehr Hinweise auf die Ethologie, vor allem im Zusammenhang mit Problemen der Triebtheorie beziehungsweise des triebhaften Verhaltens. Das ist kaum überraschend, da wir Analytiker seit Freud (1, 2) daran gewöhnt sind, gewisse Aspekte des Triebgeschehens weniger als psychologische denn als biologische Phänomene zu betrachten. Außer der Trieblehre haben Psychoanalytiker und Ethologen jedoch auch noch andere gemeinsame Interessen.
Sowohl die Ethologie als auch die Psychoanalyse sind verhältnismäßig junge Disziplinen. Natürlich hat sich der Mensch schon immer für das Verhalten der Tiere interessiert; die ersten Aufzeichnungen reichen bis in die Ant