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S. Freud, der mit dem Unlust-Lust-Prinzip als erster die kausale Methode in die Psychologie einführte, hat die Frage nach den Zielen des Menschenlebens trotzdem nicht vernachlässigt. Seine Antwort auf diese teleologische Frage gab er mit dem Lustprinzip.
Wir sind uns heute darüber klar, daß das Ziel des Unlust-Lust-Prinzips nicht ein einfaches, sondern ein doppeltes ist. Denn es wäre falsch zu glauben, daß jede Vermeidung von Unlust Lust bedeute und daß jeder Gewinn von Lust dem Ausweichen von Unlust gleichkomme. Wir alle versuchen, Unlust zu überwinden, und wenn uns das gelungen ist, erleben wir ein Gefühl der Befreiung von Unlust, das aber nicht mit der Empfindung von Lust gleichgestellt werden darf. Die Überwindung oder das Freiwerden von Unlust habe ich seinerzeit als Triebbefriedigung beschrieben und die Bedingungen aufgezählt, unter denen diese Triebbefriedigung außerdem eine Lustempfindung herbeiführen kann.
Freud war ursprünglich der Meinung, daß es nur eine Art von Unlust gebe, nämlich die durch Triebstauung hervorgerufene. Ich habe vor einigen Jahren gefunden, daß außer der Unlust, die durch die Abfuhr der Triebstauung eliminiert wird, eine andere Form von Unlust nicht vernachlässigt werden darf: die Unlust „narzißtischer Kränkung“1. Diese wird verursacht durch äußere oder innere Aggression, die unsere Gesamtpersönlichkeit zwingt, etwas zu tun, was wir nicht wollen. Ich habe eine äußere von einer inneren narzißtischen Kränkung unterschieden. Narzißtische Kränkung von außen her erleben wir, wenn ein Objekt in der Außenwelt uns zwingt, seinem Willen nachzugeben. Eine innere narzißtische Kränkung kommt zustande, wenn ein Teil unserer Gesamtpersönlichkeit uns überwältigt2.
Bei der Untersuchung neurotischer Kranker erscheint es grundlegend wichtig, die durch Triebstauung bedingte Unlust von der durch narzißtische Kränkung bewirkten zu trennen, wenn auch in vielen Fällen der Patient beide Formen der Unlust erlebt. Um die Unlust der Triebstauung zu überwinden, müsse